Edgar Dusdal schrieb zu Francesco:
verfasst am Donnerstag, den 19.11.2015 um 23:38 Uhr
 

Das B├╝hnenbild nach der Pause ist zweigeteilt. Es gibt die irdische, sowie dar├╝ber die transzendente Ebene. In deren Mitte h├Ąngt Franziskus, gleichsam gekreuzigt, nun ganz christusgleich, nicht nur mit den Stigmata versehen, sondern selbst ein Gekreuzigter. An ihm h├Ąngen drei Felsbrocken die drohend ├╝ber den K├Âpfen des gem├Ą├č Leonardo da Vincis in Szene gesetztem Abendmahlsbild h├Ąngen.
Die Abendmahlstafel ist jedoch zweigeteilt. Im Zentrum thront Maria, die Mater Ecclesia, die selbst diese Kirche repr├Ąsentiert. Sie halbiert die Tafel und ├╝ber ihr schwebt der gr├Â├čte Fels. Man k├Ânnte mit den Felsen Golgatha assoziieren, oder Franziskus als neuen Petrus, also Fels, dem jetzt als neuen Ordensgr├╝nder gilt, Du bist der Fels und auf Dich will ich meine Kirche bauen. Der damalige Papst Innozenz III. hatte nach franziskanischer Hagiographie in einem Albtraum die kirchliche Institution einst├╝rzen sehen doch in Franziskus den Erhalter derselbigen, weshalb er zur Rettung auch seines Papststuhles den Orden bewilligte. Heute sitzt auf dem Stuhl Petri als Papst einer der sich Franziskus nennt. Doch wer wird hier siegen, papalisiert das Papstamt Franziskus oder wird das Papstamt franziskanisiert ?
Auf jeden Fall, so suggeriert es zumindest das B├╝hnenbild, h├Ąngt das weitere Leben, die weitere Existenz der Mater Ecclesia von der franziskanischen Existenz derselben ab. Nur sie vermag den Vollzug des drohenden Gerichtes aufzuhalten, den Stein in der Schwebe zu belassen.
Um dies verst├Ąndlicher zu machen, ziehe ich als zweite ins Bild gesetzte Symbolebene den Atridenmythos hinzu. Der Stammvater der Atriden ist Tantalus, jener Zeussohn, der die G├Âtter dadurch auf die Probe stellen wollte, dass er ihnen den eigenen Sohn servierte. Bis auf Demeter, die in Trauer um Persephone gefangen, die Schulter des Pelops a├č, wiesen die G├Âtter das Mahl entr├╝stet von sich. Pelops wird von den G├Âttern das Leben neu geschenkt. Tod und Auferstehung erleben Jesus und Pelops gleicherma├čen. Doch seitdem mu├č Tantalus seine sprichw├Ârtlich gewordenen Qualen erleiden, zu denen auch ein Fels geh├Ârt, der, wie auf der B├╝hne sichtbar, an einem d├╝nnen Faden ├╝ber ihm schwebt. Maria Tantalus Ecclesia. Ja auch die Kirche opferte und opfert oftmals immer noch ihre Kinder. Das Abendmahl wird so gleichsam zum Tantalusessen und bleiben wir im Atridenmythos, so wissen wir, dass die S├Âhne des Pelops dem Fluch verhaftet bleiben. Atreus setzt seinem Bruder Thyestes dessen eigene Kinder vor, die dieser verzehrt. Aus dem Abendmahl wird ein thyestrisches Mahl. Und es mu├č es zwangsl├Ąufig werden, wenn Religion und Macht in eins fallen. Dann opfern Menschen einander um einer Idee willen, statt sich darauf zu besinnen, dass das Opfer Jesu das Ende aller Opfer darstellen sollte. Insofern kann nur der Weg des Franziskus hinaus aus einer auch an Macht partizipierenden Kirche das Gericht ├╝ber dieselbe aufhalten. An ihm h├Ąngt das Schicksal der Kirche oder, sollen wir sagen der Welt?
Unter ihm befindet sich die erstarrte Abendmahlsgemeinde. Oder ist es die erstarrte Kirche selbst, die nicht mehr konservativ, sondern schon Konserve geworden ist? Von Zeit zu Zeit erscheinen zwei Kellner diese abzustauben. Die Kirche ist zum Museum geworden, und in ihren Zeugnissen stellt sie nur noch ein Kulturgut vergangener Zeiten dar.
Das Leben wird von au├čen in Gestalt von zwei Kellnern in die Abendmahlsgesellschaft, oder ist es eine Abendgesellschaft, oder eine Abendlandgesellschaft ? gebracht.
Die Apokalypse jedenfalls hat schon stattgefunden, wenn wir dem Hintergrundbild auf der B├╝hne Glauben schenken wollen. Von Zeit zu Zeit fliegen ein paar Tauben ├╝ber die zerst├Ârte St├Ądtelandschaft. Symbolisieren sie einen letzten Rest an Hoffnung, der Taube der Arche Noah gleich, die mit einem ├ľlbaumzweig zur├╝ckkehrt oder sind sie Symbol des Heiligen Geistes, der nun im Plural, da Religion nur im Plural gedacht werden kann neu zu wehen beginnt?
Es w├Ąre eine Ironie, wenn die Kellner, als Ausdruck der s├Ąkularen Welt, die allein Leben in die Gesellschaft und ins Bild bringen, die Abendmahlsteilnehmer aus ihrer Erstarrung befreien wollen, doch nur das Gegenteil erreichen. Denn denen, denen sie einschenken, und die von ihrem Wein kosten, sinken sogleich unter den Tisch und zugleich in einen ewigen Schlaf. Der Versuch der Welt, die Kirche neu in Bewegung zu setzen, scheint zum Scheitern verurteilt. Bewegung kann nur von innen kommen.
Maria streichelt von Zeit zu Zeit ein totes Rehwild, das blutig auf ihrem Scho├č liegt. Als Pieta ist aus dem Sohn Gottes, dem Lamm, ein Rehwild geworden. Ist das ein Hinweis auf das Psalmwort: ÔÇ×Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele nach dir HerrÔÇť, das seufzergleich Maria entweicht oder erobert an heiligster Stelle, im Zentrum des B├╝hnenbildes und des Glaubens angelangt, auch hier der Atridenmythos die Szenerie? Erobert sich das Heidentum die Welt zur├╝ck? Dann s├Ą├če nicht Maria dort, sondern die Jungfrau Artemis, die das ihr heilige Wild betrauert, das der Atreussohn Agamemnon in ihrem heiligen Hain niederstreckte, und so den Zorn der G├Âttin provozierte. Um sie zu bes├Ąnftigen, opferte der Vater seine Tochter Iphigenie, auf das der Wind wieder weht und die griechische Flotte gen Troja segeln kann.
Dann h├Ąuften sich in dem B├╝hnenbild Genrationen von Opfern von Pelops ├╝ber die Thyestess├Âhne bis hin zu Iphigenie. Jedesmal opfern die Eltern ihre Kinder, so wie der Fortschritt in seiner Ambivalenz Leben gibt und Leben nimmt. Doch bleibt der Mythos, verbleiben die s├Ąkularen Opferrituale im Kontext des Abendmahltisches als dem Opfertisch schlechthin. Und der Abendmahlstisch steht immer noch f├╝r die Verhei├čung einer Welt, die Leben ohne Opferung anderen Lebens denken l├Ą├čt. Das Ganze wird zwar noch einmal gebrochen, da es sich vor einem Hintergrundbild abspielt, das eine apokalyptischen Opferung jedweder Zukunft in Aussicht stellt, also alles in Nihilismus versinken l├Ąsst. Wenn da nicht die Tauben w├Ąren, die wieder Leben und Hoffnung ins starre Bild bringen. Franziskus wurde zum Christusnachfolger. Das predigt das letzte Bild auf eindringliche Weise. Das St├╝ck l├Ądt dazu ein, sich mit ihm zu identifizieren, damit das drohende Weltgericht weiter aufgehalten werden kann.

Das ganze St├╝ck ist einem Gottesdienst durchaus vergleichbar. In seiner langsamen Darstellungsweise transzendiert es die Zeit, es entr├╝ckt den Zuschauer und l├Ą├čt ihn gleichzeitig zu sich selbst kommen. Je langsamer, je sparsamer die Gestik auf der B├╝hne um so aufdringlicher empfindet man jede eigene K├Ârper- und Geisteswahrnehmung. In meditativer Weise, durch die Musik kongenial eindringlich gemacht, transportiert das St├╝ck seine Botschaft(en).

Franziskus Botschaft erging in einer Zeit, in der noch B├╝rger- und Christengemeinde nahezu identisch war. Das ist heute anders. Doch dadurch bleiben die in der Religion wach gehaltenen existenziellen Fragen auf den Raum der Kirche bezogen. Sie erreichen nicht mehr die Menschen jenseits der Kirchenmauern. Bei dem Versuch, Menschen wieder in die Kirche zu bringen, verwandelt sich der Gottesdienst manchmal zum schlechten Theater. Doch manchmal kann man es erleben, dass das Theater zum guten Gottesdienst wird. Danke!

Anmerkung des Theaters: Der Theologe Edgar Dusdal ist Pfarrer an der Evangelischen Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde in Berlin Lichtenberg. Wir danken herzlich f├╝r diesen ausf├╝hrlichen Beitrag.

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wolfgang hainer schrieb zu Francesco:
verfasst am Donnerstag, den 17.09.2015 um 16:23 Uhr
 

Von der DDR in die Bundesrepublik: "Von einem ideologischen Gef├Ąngnis ins andere" - schon stark, woher nimmt Fabian, eben gerade im rbb, eigentlich diese unglaubliche verf├Ąlschende Selbstsicherheit?

Wolfgang Hainer nimmt Bezug auf ein Interview, das der Regisseur Jo Fabian am 17.9. im Kulturradio vom rbb gegeben hat. Sie finden das Interview noch sieben Tage unter http://mediathek.rbb-online.de/radio/Kulturradio-am-Nachmittag/Jo-Fabian-Regisseur/kulturradio/Audio?documentId=30634262&topRessort=radio&bcastId=9839134
Bernd Seidel, Lt. PR/Marketing

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Ingrid schrieb zu Anatevka (Fiddler On The Roof):
verfasst am Montag, den 11.03.2013 um 09:31 Uhr
 

Habe die Auff├╝hrung am 09.03.13 im Hans-Otto-Theater Potsdam gesehen, das Cottbuser Staatstheater hatte dort ein Gastspiel. Ich war ├╝berw├Ąltigt von der Auff├╝hrung, besonders von den Darstellern, die sehr ├╝berzeugend gespielt haben. B├╝hnenbild war klasse. Gunther Emmerlich spielte den Tevje, was noch ein zus├Ątzliches Highlight war. Vielen Dank an alle Beteilgten f├╝r den unvergessenen Abend.

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Anne schrieb zu Anatevka (Fiddler On The Roof):
verfasst am Freitag, den 22.06.2012 um 08:47 Uhr
 

War das sch├Ân! Ich habe wirklich mitgef├╝hlt, wie traurig der Abschied ist. Diese Inszenierung ist wunderbar. "Ist es Liebe?" Ja, ich liebe dieses Theater!!!

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Regina schrieb zu Anatevka (Fiddler On The Roof):
verfasst am Samstag, den 05.05.2012 um 18:35 Uhr
 

Ein unvergesslicher Abend, ein wundersch├Ânes B├╝hnenbild - Chagall l├Ą├čt gr├╝├čen - und die hohe stimmliche und schauspielerische Qualit├Ąt begeisterten uns. Die Darsteller schenkten uns eine wunderbare Auff├╝hrung, DANKE

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Wolfgang Rosenthal,Berlin schrieb:
verfasst am Mittwoch, den 31.08.2011 um 15:31 Uhr
 

Das war ein wundersch├Âner Nachmittag in Branitz (Theater und Musik in P├╝cklers Park am 28.8.2011 - Anm. d. Adminstr.). Herrlichstes Wetter, beste Unterhaltung und leckere Speisen und Getr├Ąnke. Die gro├če Resonanz hat uns sehr erfreut.
MFG Rosenthal, Berlin

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Carl schrieb zu F├╝rst P├╝cklers Utopia:
verfasst am Dienstag, den 19.04.2011 um 17:59 Uhr
 

Ich war zur Premiere und bin immer noch begeistert!

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Stephan P. schrieb zu F├╝rst P├╝cklers Utopia:
verfasst am Montag, den 24.01.2011 um 16:42 Uhr
 

Dieser gro├čartige Abend erweist vor allem die absolute Bl├Âdigkeit und Niveaulosigkeit der deutschen Theaterkritik. Dass gesch├Ątzte f├╝nf Minuten nackte Menschen auf der B├╝hne stehen, reicht schon, um die meisten Kritiker gleicherma├čen s├Ąfteln wie sich emp├Âren zu lassen. Kein Wort ├╝ber die grandiose Darstellung eines getriebenen Menschen, der auf der Suche nach dem Gl├╝ck ein ums andere Mal scheitert. Kompliment f├╝r den phantastischen Roland Renner und das ganze Team.
P.S. Ein, zwei M├Ątzchen weniger w├Ąren zu verkraften gewesen :-)

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sebastian schrieb zu F├╝rst P├╝cklers Utopia:
verfasst am Sonntag, den 26.12.2010 um 19:52 Uhr
 

Ich sage mal so, es gibt in diesem St├╝ck einige Szenen, die man h├Ątte rausschneiden k├Ânnen bzw. die nicht besonders sehenswert sind, aber im Gro├čen und Ganzen ist es ein sehr gelungenes St├╝ck, das sicherlich noch einige Male zu sehen sein wird. Die Schauspieler spielen es mit einer Inbrunst, als ob sie es selber sind. Es ist toll.
Ein mitwirkender Statist

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Jan Vesper schrieb zu F├╝rst P├╝cklers Utopia:
verfasst am Donnerstag, den 11.11.2010 um 14:54 Uhr
 

Es ist bitter mitzuerleben, wie schnell sich Cottbus nach dem Filmfestival wieder in eine Kulturw├╝ste verwandelt hat. Die Diskussion um die P├╝ckler-Inszenierung am Staatstheater zeigt, wo diese Region wirklich angekommen ist und was sie mit Visionen und mutigen Interpretationen anzufangen wei├č. Wer von diesen nun emp├Ârten, scheinheiligen, biederen, mittelm├Ą├čig gebildeten Zeitgenossen hat denn ernsthaft versucht P├╝ckler zu verstehen, sich in ihn und seine Zeit hineinzuversetzen? Und was haben die alle von "ihrem" Staatstheater im Jubil├Ąumsjahr erwartet? Ganz klar, eine nette, opulente P├╝ckler-Operette mit Pyramide und Schloss im B├╝hnenbild. Dazu eine bunte Inszenierung, musikalisch h├╝bsch untermalt, eine Art Aufklappbilderbogen mit dauergrinsenden Schauspielmarionetten. Ja, so war er unser gr├╝ner Gartenf├╝rst! Nat├╝rlich nicht ganz, das ist schon klar. Doch ein dauergeiler Bock, der m├Âglicherweise nicht mehr so konnte wie er wollte, einer, der sich mit einer exotischen Minderj├Ąhrigen umgab, ein abgefahrener Freak eben, der mit seiner Zeit haderte, immer wieder auszubrechen versuchte, verzweifelt war und zugleich voller Hoffnung und Lebenslust, so einer war der F├╝rst zwar auch. Aber auf der B├╝hne unseres staatlich subventionierten Theaters will man so einen nicht sehen. Das sollte klar sein - in Cottbus! Recht so, holt den Intendanten und den Regisseur vor alle Aussch├╝sse dieser kulturliebenden Stadt und fordert das viele Steuergeld zur├╝ck von diesen Banausen. Lasst sie erkl├Ąren, was nackte Titten mit unserem imagetr├Ąchtigen Romantiker aus Branitz zu tun haben. Schickt den Sch├╝ler am besten gleich in die W├╝ste und lasst Hansi Hinterseer auf die B├╝hne im Gro├čen Haus. Das tut zwar auch weh, allerdings nur einer mittlerweile zu vernachl├Ąssigenden Minderheit.
Jan Vesper, radioeins vom rbb

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Nora Müller schrieb:
verfasst am Donnerstag, den 25.11.2010 um 17:08 Uhr
 

Hallo Herr Vesper, danke f├╝r diesen Beitrag. Besser kann man es nicht ausdr├╝cken. Beim Lesen der LR oder des M├Ąrkischen Boten, ebenso ND ist man an vergangene Zeiten erinnert, wenn gefordert wird, da├č der Intendant und Regisseur vor dem Kulturausschuss (oder Bezirksleitung?!) Rechenschaft ablegen sollen. Vielleicht sollten doch einige dieser biederen Zeitgenosssen erst mal das Buch "Der gr├╝ne F├╝rst" lesen.

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Bärbel Manke schrieb:
verfasst am Freitag, den 26.11.2010 um 14:37 Uhr
 

Lieber Herr Vesper,
Sie haben mir mehr als aus der Seele "geschrieben". Aber verwunderlich ist das in Cottbus nicht, denn f├╝r diese miefige, provenzielle Kultureinstellung ist Cottbus schon seit mindestens 50 Jahren bekannt. Es hat sich also nichts ge├Ąndert an der Kulturfront.
Aber wir d├╝rfen die Hoffnungen nicht aufgeben. Beim Filmfestval ist ja nun auch endlich ein gewisses Interesse der Cottbuser zu verzeichnen. Ok, es hat 20 Jahre gedauert, aber immerhin. Vielleicht dauert es auch so lange, um die wunderbar inszenierte "P├╝ckler-Utopia" zu verstehen - in Cottbus.

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Matthias Reimann schrieb zu F├╝rst P├╝cklers Utopia:
verfasst am Sonntag, den 07.11.2010 um 15:14 Uhr
 

Beim letzten Theaterbruch wurde das St├╝ck (F├ťRST P├ťCKLERS UTOPIA - Anm. d. Admin.) vorgestellt und sich ├╝ber die umst├Ąndliche Bezeichnung Mehrspartenprojekt beklagt.
Hier mein Vorschlag f├╝r ein alternatives Kurzwort:
"Tanopiel" Ein Mischwort aus Tanz, Oper, und Schauspiel. Gestern haben wir uns das St├╝ck angesehen. Nicht alles verstanden. Aber ich habe mit meiner Frau noch nie so lange ├╝ber ein St├╝ck gesprochen. Es hat einen gro├čen Nachhall.

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Norbert Kleinert schrieb zu F├╝rst P├╝cklers Utopia:
verfasst am Mittwoch, den 03.11.2010 um 23:38 Uhr
 

Die Frage ist nach wie vor v├Âllig offen: Wer war P├╝ckler? Klimke/Kresnik bieten da gar nichts. Sie zeigen einen Unsteten, Zwiesp├Ąltigen, Zerrissenen. Dass der Projekte ersann und zu realisieren begann, deren entfaltete Sch├Ânheit er selbst nie erleben w├╝rde, dass ein solcher Mann f├╝r Jahrhunderte plante ÔÇô es spielt f├╝r beide keine Rolle. Anders als seine romantischen Zeitgenossen setzte P├╝ckler seine Tr├Ąume mitten ins Leben. Schade, dass das so v├Âllig unterging im Jubil├Ąumsst├╝ck. Doppelschade, dass dessen Spektakelhaftigkeit den Blick auf den planenden Realisten P├╝ckler noch mehr verstellt. N. Kleinert

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Wieland Schmidt schrieb zu F├╝rst P├╝cklers Utopia:
verfasst am Mittwoch, den 03.11.2010 um 23:20 Uhr
 

Geh├Ârt hatten wir seit Samstag, seit der Premiere, ja allerhand. Arbeitskollegen, denen ich am Montag erz├Ąhlte, dass wir Karten f├╝r das P├╝cklerst├╝ck haben, sch├╝rzten die Lippen. F├╝r das Skandalst├╝ck? ÔÇô Irgendetwas, liebe Theaterleute, hatte sich ├╝bers Wochenende rumgesprochen, das mit dem Anlass des Ganzen, mit F├╝rst P├╝cklers Geburtstag, beim ersten Hinsehen nichts mehr zu tun hatte. Entsprechend gespannt sind wir heute (3.11.2010 - Anm. d. Admin.) ins Theater gezogen ÔÇô und alles in allem wohltuend entt├Ąuscht worden. Die ÔÇ×NackedeisÔÇť sind ansehnlich, die Arrangements gro├čartig und die Lausitzer Ikone wird nicht denunziert. Im Gegenteil: Roland Renner zeigt einen Mann, der am Ende seines Daseins noch immer herausfinden will, was das Leben eigentlich mit ihm vorhat oder was er selbst damit vorhaben k├Ânnte. Sein P├╝ckler stellt sich fortw├Ąhrend in Frage. Den Affen auf seiner Schulter duldet er nur, er liebt ihn nicht. Eine sehr ├╝berzeugende Leistung des Gastes. Ein sch├Ânes Geschenk des Theaters f├╝r den Jubilar. Cornelia und Wieland Schmidt

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Dr. Joachim Saretz; Cottbus schrieb zu F├╝rst P├╝cklers Utopia:
verfasst am Sonntag, den 31.10.2010 um 15:37 Uhr
 

P├╝cklers Utopia - ein Ende auf der M├╝llhalde?
Am Sonnabend nun endlich die lang erwartete und mit unterschiedlichsten Begleitprogrammen vorbereitete Ehrung des F├╝rsten P├╝ckler. Nach ausf├╝hrlicher zu lang w├Ąhrender W├╝rdigung des Jubilars im Rahmen eines Festaktes dann das mit Spannung erwartete St├╝ck "P├╝cklers Utopia". Ein buntes Spektakel ├╝ber das Lebenswerk des
F├╝rsten - laut und kreischend. Ein zweist├╝ndiger Parforceritt durch das bewegte Leben P├╝cklers, mit Satzfetzen, die wenig von Inspiration f├╝r P├╝cklers Tr├Ąume preisgaben, daf├╝r aber viel Unsinn und Unverst├Ąndnis, leider auch in der textlichen Artikulation. Die schlussendlich in der Endzeitapokalypse mit dem Inferno von P├╝cklers Parktr├Ąume und dem Versinken im modernen Wohlstandsm├╝ll endeten. Selbst der Versuch, das Publikum theaterm├Ą├čig zu "ver├Ąppeln", mi├člang dank der Verweigerung eines nicht namentlich genannten Ensemblemitgliedes auf vier Beinen. Aus der "Ver├Ąppelung" wurde doch eher "D├╝nnsch...", abschlie├čend ja fachgerecht entsorgt auf der M├╝llhalde.
P├╝cklers Utopia? Armes Utopia, armer P├╝ckler, armes Staatstheater mit seinem Publikum, armes Cottbus, Alle habt ihr besseres verdient.
Am Sonntag dann Spaziergang durch den im Sonnenllcht herbstlich gl├Ąnzenden P├╝cklerpark.
Er war unbeschadet.
Trotz alledem!

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Johann Klien schrieb:
verfasst am Montag, den 01.11.2010 um 22:20 Uhr
 

Na, das sind sie doch, die Cottbuser Zipfelm├╝tzen! 4 Paar nackte Br├╝ste, 8 nackte Arschbacken, 1 nackter schwangerer Bauch ÔÇô schon wackeln sie emp├Ârt mit den greisen H├Ąuptern und finden, sie h├Ątten Besseres verdient. Ja, was denn nur? Die Br├╝ste waren doch sch├Ân. Auch die Backen waren es wert, gezeigt zu werden. Mehr von diesen Backen, mehr davon, h├Ątten wir am Samstag rufen sollen, und ein paar Schw├Ąnze dazu. Schw├Ąnze fehlten n├Ąmlich; jetzt, im R├╝ckblick, f├Ąllt es mir auf: Es war ein ganz und gar schwanzloser Abend. Kein Phallus weit und breit, nix von Fruchtbarkeit und Kraft, nur ein Graf in Unterhosen, welche er, wie sp├Ąter auch die Reithosen, einfach nicht runterkriegte. Da hat sich Kresnik wohl von der neusten P├╝ckler-Forschung kirre machen lassen. Die meint entdeckt zu haben, dass der F├╝rst nicht konnte, wie er wollte. Herr Dr. Saretz, wissen Sie, dass damit alles in einem anderen Licht erscheint? Oder wissen Sie es nicht mehr? Stellen wir uns doch kurz vor, Kresnik habe sich auf den tollen Lausitzer nur deshalb eingelassen, weil er ahnt, was es hei├čt, nicht mehr zu k├Ânnen, wiewohl man doch ein Leben lang verk├╝ndet hat, dass man es kann. Und zwar nicht nur den Frauen (oder den M├Ąnnern, wie auch immer) beischlafen, sondern auch dem Theater die Politik eintreiben. Und nun, irgendwie und irgendwarum, geht das nicht mehr, wie es bislang ging. Mittendrin ist man immer noch, in Osnabr├╝ck (das liegt im Westen) oder in Cottbus (im Osten), dennoch: Irgendwie und irgendwarum ist politisches Theater heute anders und was man selbst ÔÇ×beischlafenÔÇť k├Ânnte ÔÇô man(n) Kresnik zeugt dabei rein gar nichts mehr. Wie eben der Lausitzer Graf rein gar nichts zeugte, au├čer ÔÇô Parks. In einem ├Âkologischen Zeitalter sind sie Symbole und in der armen s├╝dbrandenburgischen Provinz Hoffnungstr├Ąger, eigentlich aber sind sie doch herrschaftlicher Firlefanz. Was sollte einer wie Kresnik daran sympathisch finden, worauf , Herr Saretz, haben Sie eigentlich gehofft?
Johann Klien

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