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13.01.2018, Samstag, 19:30 UhrKarten online kaufen

Mamma Medea

Schauspiel von Tom Lanoye
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten 

Den Stoff um Medea, die widersprüchliche Frauengestalt aus der griechischen Mythologie, verarbeitet der flämische Dramatiker Tom Lanoye in diesem 2001 uraufgeführten Schauspiel auf sehr moderne Weise. Er rückt die Beziehung zwischen Medea und Jason in den Mittelpunkt und thematisiert Konflikte, die beim Zusammentreffen von Menschen aus verschiedenen Kulturen entstehen können.

Die Handlung beginnt in Medeas Heimat, dem archaischen, streng patriarchisch regierten Kolchis, wo die Königstochter zwar Geborgenheit erfährt, aber nur wenige Freiheiten besitzt. Als eine Truppe verwegener Abenteurer aus dem fernen Griechenland unter der Führung von Jason in Kolchis landet und von ihrem Vater das Goldene Vlies fordert, verliebt sich Medea in diesen Fremden. Sie hilft ihm, seinen Auftrag auszuführen und er bietet ihr zum Dank an, sie in seine Heimat mitzunehmen. Medea entschließt sich zu diesem Schritt, kappt die Wurzeln zu ihrer Kultur und wird zur Mörderin an Vater und Bruder.

Einige Jahre später hat sie sich im griechischen Korinth mit ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter arrangiert. Aber sie bleibt hier eine Fremde, heimatlos. Ihre Erwartungen an diese Welt voller Möglichkeiten und an Jason erfüllen sich nicht. Die Liebe zwischen beiden erlischt. Jason geht mit der Tochter des Königs Kreon fremd und will mit ihr ein neues Leben beginnen. Voller Wut und Verzweiflung fordert Medea den Geschlechterkampf heraus, der ein tragisches Ende nimmt.

Der Autor Tom Lanoye ist in Belgien eine Berühmtheit: 1958 geboren, prägt er mit seinen Romanen, Gedichten, seinen Kolumnen, Kommentaren und Theaterstücken das kulturelle Leben. In Deutschland kennt man ihn seit seinem spektakulären Einstand mit dem Mammutwerk „SCHLACHTEN“! vor allem als Theaterautor.

SPURENSUCHE Ein theaterpädagogischer Workshop zur Vorbereitung eines Theater- oder Opernbesuchs 

PREMIERE Samstag, 21. Januar 2017

Besetzung

RegieMario Holetzeck
BühneGundula Martin
KostümeSusanne Suhr
MusikHans Petith
DramaturgieBettina Jantzen
VideoOliver Seidel
ChoreografieGundula Peuthert
RegieassistenzMaria Bock
 
DIE KOLCHER
MedeaLisa Schützenberger
Aietes, ihr Vater, König von KolchisMichael Becker
Chalkiope, ihre ältere SchwesterSusann Thiede
Apsyrtos, ihr BruderHenning Strübbe
Frontis, ihr Neffe, ältester Sohn der ChalkiopeMichael von Bennigsen
Melas, ihr Neffe, jüngerer Sohn der ChalkiopeMaxim Agné
 
DIE ARGONAUTEN
Jason, Anführer und Kapitän der ArgoGunnar Golkowski
 
DIE KORINTHER
Kreusa, Tochter des Kreon, König von KorinthLucie Thiede
Zwei Kinder, Söhne von Jason und MedeaKinder der Statisterie
Die DienerinSusann Thiede
Der SportlehrerMichael von Bennigsen
 
Musiker Lu Schulz, Heiko Liebmann, Dan Baron, Dietrich Petzold, Martin Klenk

Rezensionen

Hartmut Krug, Lausitzer Rundschau, 24.1.2017

„Ein ungemein praktikables und schönes Bühnenbild von Gundula Martin erlaubt im zweiten Teil zwischen weißen, bühnenhohen, verschiebbaren Wänden Übergänge und Durchgänge sowie kurze Videoeinspielungen. […] Eine dezente Bühnenmusik von Hans Petith schafft dazu Atmosphäre, ohne sich vorzudrängen. Oft wird die Medea von einer erfahrenen, älteren Schauspielerin gespielt: In Cottbus nicht. Hier spielt die 24jährige Lisa Schützenberger so kräftig wie wunderbar eine Medea, die mit aller jungen Leidenschaft ihre Liebe zu Jason (souverän: Gunnar Golkowski) und ihre Ehe mit ihm lebt, aber an den Gegensätzen ihrer Kulturen leidet und scheitert. Was fasziniert an der Inszenierung, sind die vielen Bezüge, die sich, ohne groß ausgespielt werden, zu heutigen politischen und gesellschaftlichen Haltungen ergeben. Es ist eine schauspielerisch wie dramaturgisch rundum überzeugende Inszenierung.“


Frank Dietschreit, Märkische Allgemeine Zeitung, 24.1.2017

„Ein blutiger Rosenkrieg, ein Leben auf der Flucht und die bittere Erkenntnis, dass man Liebe nicht erzwingen und Heimat und Herkunft nicht verleugnen kann: brisanter und aktueller geht es nicht. Der Stoff, aus dem dieser grandiose Abend im Staatstheater Cottbus geschnitzt ist, wurde immer wieder mit zeitloser Sprengkraft aufgefüllt. […] Gunnar Golkowsi ist als Jason ein zynischer Macho und egozentrischer Machtmensch. Die Medea der hoch talentierten jungen Lisa Schützenberger ist eine gefährlich auf dem schmalen Grat zwischen mädchenhafter Liebes-Sehnsucht und blutrünstigem Rache-Engel irrlichternde Furie. Sie allein macht den Abend zu einer verstörenden Zeitlosigkeit beglückenden Ereignis. Wenn im Finale, abweichend vom Ur-Stoff, Medea und Jason die Kinder ermorden und für immer unglücklich aneinander gekettet in die Hölle ihrer Ausweglosigkeit schauen, herrscht atemlose Stille.“


Gunnar Decker, Theater der Zeit, März 2017

„Der Tod ist die auf die Spitze getriebene Fremdheit, Verwandlung dessen, was eben noch das Eigene war, in ein Nichts. In diesen Anfangsminuten blendet das Licht immer wieder ab, der weiße Raum taucht ab ins Schwarz. Hierin zeigt sich bereits Mario Holetzecks dynamischer Regiestil. Er agiert wie ein Filmregisseur am Schneidetisch. Mario Holetzeck erprobt in seiner letzten großen Inszenierung am Staatstheater Cottbus – nach acht erfolgreichen Jahren als Regisseur und Schauspieldirektor – mehrere Sichten auf Medea. […] Ein eingespieltes Ensemble mit starken Solisten trifft auf einen traumsicheren Inszenierungsrhythmus. […] Der Abend lebt von jenem starken Schauspielensemble, das Holetzeck in den letzten Jahren formte. Furios, wie Lisa Schützenberger als Medea und Gunnar Golkowski als Jason die Spannung zwischen zwei Menschen in Annäherung und Abstoßung aufbauen – und dabei zugleich der mythischen Großerzählung ihren menschlich-allzumenschlichen Grundton geben.“

Bildergalerie

Film

MAMMA MEDEA - Staatstheater Cottbus (Trailer)

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