Hamlet

Tragödie von William Shakespeare
Deutsch von Angela Schanelec und Jürgen Gosch
Fassung von Mario Holetzeck

Die Situation in Dänemark ist fragil: An der Grenze wird das Land bedroht und innenpolitisch ist es im Umbruch. Direkt nach dem plötzlichen Tod des vorherigen Königs hat dessen Bruder Claudius den Thron bestiegen und die Witwe Gertrud geheiratet. Mit Diplomatie will er die Lage ordnen. Prinz Hamlet, der Sohn des Verstorbenen, betrachtet die Geschehnisse mit Skepsis, irgendetwas scheint ihm hier faul. Da begegnet er nachts dem Geist seines Vaters, der behauptet, von seinem Bruder vergiftet worden zu sein. Er fordert von Hamlet, Rache zu nehmen und Claudius zu töten. Doch der junge Prinz zögert vor dieser Aufgabe, er will sich orientieren und spielt, um Zeit zu gewinnen, am Hof den Wahnsinnigen.

Claudius ist beunruhigt und bezweifelt die Vermutung seines Staatsrats Polonius, die von seiner Tochter Ophelia abgewiesene Liebe sei der Grund für Hamlets Wesensveränderung. Das nächste – bespitzelte – Zusammentreffen der jungen Leute bringt dem König keine Klarheit. Denn Hamlet traut inzwischen weder seiner Geliebten Ophelia noch früheren Freunden. Überall vermutet er Gefahr und stürzt dabei in eine immer tiefere Krise. Mittels eines Schauspiels versucht er, seinen Onkel des Brudermords zu überführen. Claudius antwortet auf die Provokation, indem er den für seine Politik gefährlichen jungen Mann außer Landes schaffen lassen will. Ein letzter Vermittlungsversuch von Hamlets Mutter Gertrud kulminiert in heftigen Vorwürfen ihres Sohnes, der in dieser Situation auch noch zum Mörder an Polonius wird. Dies löst eine Kettenreaktion aus, bei der Ophelia Selbstmord begeht, ihr Bruder Laertes mit Hamlet einen wütenden Konflikt austrägt und König Claudius eine Intrige plant, die unerwartet die ganze Königsfamilie in den Tod reißt.

Diese wohl berühmteste Tragödie William Shakespeares wurde vermutlich 1602 erstmals aufgeführt. Schauspieldirektor Mario Holetzeck widmet sich nach KÖNIG LEAR erneut einem vieldeutigen Shakespeare-Drama, in dem nicht nur die Titelfigur verzweifelt und auf widersprüchliche Weise ihren Lebenssinn zu fassen sucht.

PREMIERE Samstag, 21. Mai 2016

Präsentiert von

Besetzung

RegieMario Holetzeck
BühneJuan León
KostümeSusanne Suhr
MusikHans Petith, Dietrich Petzold
KämpfeAlister Mazzotti
VideoRon Petraß
DramaturgieBettina Jantzen
SprecherziehungPeggy Marmuth
RegieassistenzMaria Bock
 
HamletJohannes Kienast
Hamlets Vater/GeistGunnar Golkowski
ClaudiusAmadeus Gollner
GertrudHeidrun Bartholomäus
PoloniusSusann Thiede
OpheliaLucie Thiede
LaertesHenning Strübbe
HoratioMatthias Manz
 
Cornelius (Video)Kai Börner
Fortinbras (Video)Michael von Bennigsen
 
Wachen Herren der Statisterie

Rezensionen

Renate Marschall, Lausitzer Rundschau, 23.5.2016

„[…] Es ist was faul im Staate Dänemark – und nicht nur dort. […] Wem kann man überhaupt trauen in einer Welt, in der Sein und Schein immer weiter auseinanderdriften, Worte mehr der Verschleierung und Manipulation als der Aufklärung dienen? Kann man sich dem entziehen? […] Mit kühnem Strich und der klugen Übersetzung von Angela Schanelec und Jürgen Gosch hat Mario Holetzeck eine sehr heutige, spannende Inszenierung geschaffen, die dennoch nah bei Shakespeare ist und zeigt, seit 1600 ist alles nur noch perfider geworden. Holetzeck verdeutlicht, was Manipulation aus Menschen macht. […] Das alles bringt ein großartiges Ensemble glaubhaft und atemberaubend auf die Bühne. Der erst 30-jährige Johannes Kienast ist ein herausragender, moderner Hamlet. Wie es ihm gelingt, im gespielten Wahnsinn das Kalkül durchscheinen zu lassen, sich der von allen Seiten auf ihn einstürmenden Verführung zu entziehen, listig ist und traurig, verliebt, enttäuscht, hoffnungsvoll – das ist beeindruckend. […] Ein besonderes Theatererlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.“


Stefan Amzoll, Neues Deutschland, 25.5.2016

„[…] So scharfsinnig ist diese Inszenierung wie überschäumend im Gebrauch der theatralen Mittel. […] Ihre Tonfälle holt sie aus elisabethanischer Vergangenheit und neoliberaler Gegenwart. […] Die Inszenierung enthüllt ein System, worin jeder gegen jeden steht, niemand vor dem anderen sicher ist und der Pegel der Angst steigt. Da wird geflüstert, intrigiert, angeworben, verraten, denunziert, mit modernsten Apparaten observiert. […] Trefflich jede einzelne Schauspielerleistung, verwirklicht im kollektiven Abtausch der Poesien und Gefühle, wodurch die Aufführung sehr geschlossen wirkt. Voran Johannes Kienast als individualistischer, zerrissener Titelheld, der textsicher in mehrere Hamlet-Rollen schlüpft und eine ganze Palette von Haltungen rasant, einfühlsam, körperlich höchst wendig abzuarbeiten versteht. […] Meisterliches bot die Gertrud der Heidrun Bartholomäus, die seinerzeit den »Lear« unter Holetzeck gespielt hat. Allein, wie sie das Gift nimmt […], hernach rauchige letzte Worte sich entringt und in Krämpfen auf dem Tisch sich wälzt, ist große Schauspielkunst. Der lange Tisch ist zentrales Möbel (Bühne Juan León). Der ist teilbar. Darauf und drum herum trägt sich die halbe Handlung zu. Herrlich die Wahl und Machart der Kostüme (Susanne Suhr). Der Prinz ist ganz unedel gezeichnet. Seine Klamotten wechseln dauernd. […] Die Cottbuser Bühne präsentiert klassische wie alltägliche Tode, Tode von der Stange, faire Tode mit Degen in der Hand, auch volkstümliche Tode. Morde in kurzer Folge. […] Zuletzt steht Hamlet tief betroffen da: ,Der Rest ist Schweigen.‘“


Irene Bazinger, Berliner Zeitung, 26.5.2016

„[…] Er (Hamlet, d. Red.) sieht mit Frisur, Klamotten und Gehabe wie ein zorniger junger Mann von heute aus, ohne in der klug aktualisierten Inszenierung von Mario Holetzeck je vergessen zu lassen, dass er den zutiefst verunsicherten Prinzen in Shakespeares „Hamlet“ spielt, der bereits vor 400 Jahren die Bühne betrat. Aus dieser Spannung zwischen den weit entfernten Epochen und in der sinnlichen Verdeutlichung der Ähnlichkeiten gewinnt die Aufführung ihre unmittelbare, fesselnde Intensität. […] Die Figur der Ophelia ist nachdrücklich aufgewertet: Lucie Thiede darf fechten, boxen, von Paris träumen und, ehe sie sich ertränkt, ausgiebig schlüpfrige Eskapaden im Stil der ordinären „Frau Wirtin hatte …“-Verse singen. Durch geballte Hilflosigkeit, Trieblust und ein wütendes Anrennen gegen ihre Opferrolle wird aus Hamlets verhuschtem Schwarm ein ernstzunehmendes Fräuleinwunder. […] In der „Mausefalle“ heizen die beiden (Hamlet und Horatio, d. Red.) den Zuschauern mit einer dämlichen Gameshow ein und animieren sie frech zum Mitspielen. Das ist banal wie witzig und vor allem gut gemacht. Hier wie auch sonst überzeugt die gesamte, dramaturgisch reife und stimmige Inszenierung von Mario Holetzeck als abgründiger Bilderbogen über die Macht, ihren Preis und ihre Kollateralschäden – einst wie jetzt. Nach dem Jubel des Premierenpublikums kann man sich in Cottbus über einen gelungenen „Hamlet“ freuen und weiter für aufrichtiges, anspruchsvolles Theater arbeiten.“


Tomas Petzold, Dresdner Neueste Nachrichten, 26.5.2016

„[…] Die Fassung von basiert auf der Übersetzung Angela Schaneletz und Jürgen Gosch, scheint mal sehr dicht an, mal weit entfernt von Schlegel. Holetzeck setzt den Zuschauer damit nicht seiner eigenen Hilflosigkeit aus, sondern sucht nachvollziehbare Erklärungsmuster, die das oft recht starr und brutal interpretierte Prinzip von Hamlets „Tollheit mit Methode“ aufbrechen […] Das gelingt über weite Strecken, wenn auch nicht ohne Brüche, Widersprüche und eine gewollte Doppeldeutigkeit, ohne die sich wohl eine allzu einfache Lösung aufdrängen würde. […]“

Bildergalerie

Film

HAMLET (Trailer) - Staatstheater Cottbus

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Meinungen

hamlet - erwartet hatte ich einen abend des anstrengenden bühnenstaubes, es war ganz ganz anders: erfrischend, lebendig, abwechslungsreich und munter. danke!!!