Rheingold

Vorabend der Tetralogie DER RING DES NIIBELUNGEN
Semiszenische Aufführung

Premiere in Cottbus 19. März 2003

RHEINGOLD ist eine Parabel über den Zusammenhang von Besitz, Macht, Liebe und Tod. Einst nur ein ästhetisch schönes Naturphänomen, gerät das Rheingold in den Händen eines skrupellos Besitzgierigen - der auf Liebe verzichtet - zum Zahlungsobjekt und Investitionsmittel. Zu einem Ring geschmiedet, verleiht es maßlose Macht, die jedoch durch einen Fluch pervertiert wird: Der Ring soll seinen Eigentümer permanent nach Besitz gieren lassen und ihm letztlich den Tod bringen. Auf diesen Ring nun bauen Emporkömmlinge und Mächtige gleichermaßen, machen ihn sich gegenseitig abspenstig und stürzen dadurch die Welt in ein Chaos, das an den Rand des Untergangs führt.

Richard Wagner hat den RING DES NIBELUNGEN in fast 25-jähriger Arbeit von seinem Endpunkt, der GÖTTERDÄMMERUNG her, quasi in steter Ursachenforschung, entworfen. Er schuf ein musikalisches Drama gigantischen Ausmaßes, das auf vier Theaterabende verteilt ist. Nach der GÖTTERDÄMMERUNG, JUNG-SIEGFRIED und WALKÜRE vollendete Richard Wagner 1852 die RHEINGOLD-Dichtung. Mit der Komposition dieses sogenannten Vorabends zum RING begann er im Herbst 1853 und stellte sie 1854 fertig. Während die Uraufführung von RHEINGOLD noch auf Wunsch König Ludwig II. und gegen Wagners Willen am 22.09.1869 in München stattfand, wurde die gesamte Tetralogie im Rahmen der ersten Bayreuther Bühnenfestspiele vom 13. - 17.August 1876 unter der musikalischen Leitung von Hans Richter gespielt.

Dr. Carola Böhnisch

Handlung

Vorspiel

Am Welten Anfang entstehen Natur und Leben aus dem Wasser (136 Takte: Es-Dur). Diese Entfaltung wird im Fließen des Rheins verdeutlicht. Auf seinem Grunde liegt Gold. Damit es dort unberührt ruhen kann, hat Vater Rhein mit der Urmutter Erda drei schöne weibliche Naturwesen gezeugt und sie als Bewacher des Goldes eingesetzt: die Rheintöchter.

Die Welt ist beherrscht von unterschiedlichen Geschlechtern: Die Lichtalben, die auf Berges Höhen wohnen, sind die Götter. Wotan setzte sich an ihre Spitze, indem er einen Ast von der Weltesche schnitt und dadurch Herrschaftswissen gewann. Aber die Weltesche begann daraufhin langsam zu verdorren - die Harmonie der Welt war unwiederbringlich gestört.
Tief in der Erde wohnen die Schwarzalben - die Nibelungen. In seinem Land Nibelheim arbeitet dieses fleißige Volk, das die Schmiedekunst beherrscht. Auf dem Rücken der Erde lebt das Geschlecht der Riesen. Fasolt und Fafner sind ihre Fürsten.

In der Tiefe des Rheins

In spielerischer Unbekümmertheit wachen die Rheintöchter über das Rheingold. Der Nibelung Alberich stört ihr sorgloses Spiel. Er verfolgt die schönen Nixen und begehrt Liebe. Aber sie verhöhnen den hässlichen Zwerg. Die Strahlen der Morgensonne lassen in der Tiefe des Wassers das Rheingold erleuchten. Da verraten die Rheintöchter unbedacht das Geheimnis des Goldes: Nur, wer der Liebe entsagt, kann das Gold dem Fluss entreißen. Zum Ring geschmiedet verleiht es maßlose Macht. Wütend über sein vergebliches Werben verflucht Alberich die Liebe und entreißt der Natur das Rheingold. Die Harmonie der Welt ist erneut gestört.

Freie Gegend auf Bergeshöhen

Wotan träumt von ewiger Herrschaft in einer Götterburg, die ihm die Riesen Fasolt und Fafner erbaut haben. Aber Fricka, seine Gemahlin, sorgt sich um den zu zahlenden Lohn: Wotan versprach den Riesen ihre Schwester Freia, die Göttin der ewigen Jugend. Seine Hoffnung, die vertragliche Auszahlung zu umgehen und die Riesen auf andere Art zu entlohnen, scheitert an Fasolts Liebe zu Freia und Fafners Berechnung, der darauf setzt, dass die Götter ohne die ewiges Leben spendenden Äpfel Freias bald abdanken müssen. Der Konflikt zwischen Göttern und Riesen droht zu eskalieren, bis der Feuergott Loge von Alberichs Goldraub berichtet. Für dieses Gold sind die Riesen bereit, auf Freia zu verzichten. Bis zum Abend geben sie Wotan Zeit, den Schatz herbeizuschaffen. Sie schleppen Freia als Geisel mit sich fort. Ohne die Lebenskraft spendenden Äpfel beginnen die Götter zu altern. Wotan und Loge steigen hinab nach Nibelheim, um das Gold und den Ring von Alberich zu rauben.

Nibelheim

In unterirdischer Tiefe herrscht Alberich grausam über die Nibelungen. Den eigenen Bruder Mime zwingt er, nach dem Ring nun auch einen Tarnhelm zu schmieden, dessen magische Kraft aber nur Alberich zu nutzen vermag. Wotan und Loge entlocken dem verängstigten Mime die Geheimnisse des Rheingoldes, des Ringes
und des Tarnhelmes. Alberich, der glaubt, allmächtig zu sein, erliegt dem listigen Loge: Er beginnt, seine Macht zu demonstrieren. Mit Hilfe des Tarnhelmes verwandelt er sich in einen Riesenwurm, dann in eine Kröte. So kann er leicht von den beiden Göttern überwältigt und aus Nibelheim fortgeschleppt werden.

Freie Gegend auf Bergeshöhen

Für seine Freilassung muss Alberich Wotan nicht nur das Gold, sondern auch den Ring überlassen, den er verzweifelt verflucht: Jeder solle nach seinem Besitz gieren, doch wer ihn erringt, dem drohe der Tod.
Die Riesen verlangen, dass zur Auslösung Freias so viel Gold angehäuft wird, dass ihre Gestalt ganz verdeckt ist. Da noch Füllmasse fehlt, fordern sie Tarnhelm und Ring. Doch Wotan will den Ring für sich behalten. Die allwissende Urmutter Erda warnt ihn vor dem Fluch. Wotan überlässt den Ring den Riesen. Beim Teilen des Schatzes geraten Fafner und Fasolt in Streit. Alberichs Fluch fordert sein erstes Opfer: Fafner erschlägt seinen Bruder Fasolt und bringt Ring und Gold in seine Gewalt. Während die Götter in die Burg Wallhall einziehen, klagen die Rheintöchter über das gestohlene Rheingold und die verlorene Weltharmonie. Loge freut sich über das unaufhaltsam näher rückende Herrschaftsende der Götter.

Besetzung

Musikalische Leitung
InszenierungMartin Schüler
AusstattungGundula Martin
DramaturgieDr. Carola Böhnisch
Choreographischer Mitarbeiter der Regie
RegieassistenzAnnaLisa Canton
Musikalische AssistenzFrank Bernard, Andreas Simon, , Peter Wingrich
 
Götter
WotanHerbert G. Adami
FrickaCarola Fischer
FreiaGesine Forberger
LogeJohn Pierce
DonnerVolker Maria Rabe
FrohDirk Kleinke
Erda
 
Nibelungen
Alberich
MimeHardy Brachmann
Nibelungen Kinderchor des Staatstheaters Cottbus
 
Rheintöchter
Woglinde
Wellgunde
Floßhilde
 
Riesen
FasoltTilmann Rönnebeck
Fafner
 
Es spielt das Philharmonische Orchester.

Rezensionen

Joachim Lange, Dresdner Neueste Nachrichten, 25.04.2003

Ein verwitterter Tresor fürs Rheingold, Speer und Augenklappe für Wotan, ein selbstleuchtender Ring für Alberich, Schaumstoffgoldbarren zum Auslösen von Freia, ein Riesenwurmkopf an der Rampe nebst Wurmschwanz hinten beim Dirigenten und ein Regenbogenteppich für den Einmarsch in Walhall. Damit wird bei Martin Schüler natürlich mit Witz und Hintersinn auf der Bühne gestaltet und in der Personenregie ausformuliert. Manchmal ironisch, wenn die sexy Rheintöchter (Julia Bauer, Anne Hofmann, Waltraud Hoffmann-Mucher) wie elegante Konzertsängerinnen mit den Noten in der Hand hereingewogt kommen. Manchmal mit Witz, wenn sich der weißbefrackte und etwas „amtsmüde", aber immer noch in die Macht verliebte Wotan (Herbert G. Adami mit der kraftvollen Solidität seiner Bühnenerfahrung) in weiser Voraussicht ein paar von Freias Jugend-Äpfeln in die Hosentaschen steckt und sie dann - völlig handlungslogisch - auch isst. Oder manchmal auch hintersinnig, wenn Freia (jugendlich lebendig im Spiel und mit überragender stimmlicher Verve: Gesine Forberger) sich für den biederen, mit Rosen daher kommenden Zimmermann Fasolt (Tilmann Rönnebeck) mehr als nur erwärmt. Und oft mit hintersinnig komödiantischem Biss. Den spielt vor allem Loge (John Charles Pierce mit heldentenoraler Emphase) als cleverer Manager im Nadelstreifenanzug mit Lust aus, vor allem, wenn er die Doppelmoral seiner Auftraggeber „vorführt" und letztlich die Konflikte schürt, die immerhin zum ersten Toten im Ring führen, als der grobschlächtige Fafner seinen gerade seiner Freia hinterher trauernden Bruder Fasolt erschlägt. ...
Schülers unterhaltsames und hautnahes Kammerspiel mit den sinnverweisenden Bühnenlösungen der Rezeptionsgeschichte wurde so zu einem bewussten Blick auf das Werk an sich - und das mit ziemlichem Unterhaltungswert. Ein Blick, der sich bei einer möglichen Weiterführung dieses Projektes auch in dieser dem Haus angemessenen Inszenierungsform zum „Welttheater" weiten dürfte mit allem, was Richard Wagners Riesenopus bietet.


Laura Naumburg, Neues Deutschland, 13.05.2003

Was Martin Schüler vom ersten Auftritt an zwischen den Göttern, Nibelungen, Rheintöchtern und Riesen, zwischen den Figuren und ihrem durch die Noten symbolisch anwesenden Schöpfer und zwischen allen und dem Publikum stattfinden lässt, ist derart erhellend und vor allem amüsant, dass sich diese „halbszenische" Darstellung als fast konkurrenzloser Glücksgriff im Regie-Wettrennen der „Ring"-Unternehmungen erweist.
Die wirklich große Leistung dabei ist: Nie erliegt der Regisseur einer möglichen Verlockung zu billiger Persiflage. Selbst wenn der sieche Froh seine Harfe als Krückstock nutzt, wirkt das komisch, nicht jedoch hämisch. Man erlebt einen Tag aus dem göttlichen Heldenleben, wie er brutaler, banaler und realistischer und kaum denkbar ist. Die anekdotischen Pointen kommen Schlag auf Schlag.
Martin Schüler spielt nicht allein mit dem ironischen Potential des Dichters Wagner - als solchen sah sich der Meister selbst bekanntlich mehr denn als Musiker. Er ist sich auch des ironischen Potentials, das in sei-nem Ensemble steckte sicher. Der Charme des gewachsenen und stabilen Stadttheaters wird weidlich genutzt.

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