Peer Gynt

Oper in drei Akten von Werner Egk
Dichtung vom Komponisten nach Henrik Ibsen

Die  Geschichte des egozentrischen Phantasten und rastlosen Abenteurers Peer Gynt ist eine Paraphrase über die Suche des Menschen nach dem Sinn des Lebens. Seine selbstbezogene Maxime „Ich tu‘, was ich will“ treibt Peer in den Einflussbereich der zynischen und zugleich verführerischen Trolle, die weder Moral noch Menschlichkeit kennen. Und so wird auch er ein skrupelloser Emporkömmling ohne jedes Verantwortungsgefühl. Sein ehrgeiziges Ziel ist es, als Kaiser über die ganze Welt zu regieren. Immer weiter verstrickt sich Peer Gynt in das Netz der Trolle, die ihn für sich beanspruchen, ihn nötigen und narren. Nur Solveig, die er in seiner norwegischen Heimat zurückgelassen hat, scheint ihn aus der Umklammerung des Bösen retten zu können. Ihr aufrichtiger Glaube an ihn und ihre treue Liebe zeigen Peer Gynt letztlich, wo er das wirkliche Kaiserreich finden könnte.

Henrik Ibsen schrieb sein dramatisches Gedicht „Peer Gynt“ (1867) fernab der norwegischen Heimat. Selbst mehr oder weniger ziellos in Europa unterwegs, spürte er den Wegen der Selbsterkenntnis und dem Rätsel menschlicher Natur nach. In freier Anlehnung an diese literarische Vorlage komponierte Werner Egk seine dreiaktige Oper, die 1938 an der Berliner Staatsoper ihre Uraufführung erlebte. Farbenreiche Stimmungsmalereien, kräftige Zeichnungen der Figuren und eine rhythmisch pointierte und mit Mitteln der Parodie arbeitende Charakterisierung des Trollreiches zeugen von außerordentlichem musikalischen Phantasiereichtum. Nach knapp fünfzig Jahren ist die Oper PEER GYNT von Werner Egk wieder am Staatstheater zu erleben.

PREMIERE Samstag, 25. Januar 2014

Präsentiert von

Besetzung

Musikalische LeitungEvan Alexis Christ
RegieMartin Schüler
Bühne & KostümeGundula Martin
ChoreinstudierungChristian Möbius
ChoreographieAdriana Mortelliti
Einstudierung KinderchorNorienne Olberg
DramaturgieDr. Carola Böhnisch
Musikalische AssistenzFrank Bernard, André Cipowicz, Christian Georgi, Bo-Kyoung Kim, Daniel Klein
Choreographische AssistenzIstván Farkas
RegieassistenzAnnaLisa Canton
 
Peer GyntAndreas Jäpel
Aase seine MutterMarlene Lichtenberg
SolveigCornelia Zink
Der HaegstadtbauerJörn E. Werner
Mads sein SohnDirk Kleinke
Ingrid BrautDebra Stanley
Der SchmiedHeiko Walter
Der VogtJens Klaus Wilde
Frau des VogtsCarola Fischer
BurschenHardy Brachmann, Thomas Pöschel
 
Der Alte König der TrolleMatthias Bleidorn
Die Rothaarige seine TochterGesine Forberger
HoftrollJens Klaus Wilde
Ein hässlicher JungeIngo Witzke
 
Drei KaufleuteHardy Brachmann, Heiko Walter, Ingo Witzke
Der PräsidentJörn E. Werner
Ein DienerDirk Kleinke
Ein WirtMatthias Bleidorn
Eine TänzerinInmaculada Marín López
 
Drei schwarze VögelDebra Stanley, Carola Fischer, Marlene Lichtenberg
Der UnbekannteJörn E. Werner
 
Hochzeitsgäste, Trolle, Matrosen, Dirnen
Damen und Herren des Opernchores und Ballettensembles sowie Mitglieder des Kinder- und Jugendchores
 
Es spielt das Philharmonische Orchester.

Rezensionen

Frederik Hanssen, Der Tagesspiegel, 31.1.2014

„[…] Schüler ist ein erfahrener Geschichtenerzähler, ein Meister der inzwischen fast ausgestorbenen Schule des realistischen Musiktheaters. Er macht Oper, die sich nicht schämt, als Oper kenntlich zu sein. Vor allem aber ist er ein leidenschaftlicher Teamplayer, der genau weiß, wer von seinen Leuten was kann, wie er mit den unterschiedlichen Talenten der hauseigenen Truppe szenisch schlüssige Lösungen realisiert. So wird der Abend zum Triumph des traditionellen Ensembletheaters. Ausstattungsleiterin Gundula Martin hat ihrem Intendanten ein expressionistisches Bühnenbild aus geometrischen Formen gebaut, für die Sänger aber historische Kostüme entworfen. […] Ein buntscheckiger Klangcomic ist dieser „Peer Gynt“ also, äußerst kurzweiliges Unterhaltungstheater, vielleicht der einzige gelungene Versuch, das biedermeierliche Genre der deutschen Spieloper mit den Musikmitteln des 20. Jahrhunderts wiederzubeleben. Mit seinen hoch motivierten Musikern bringt Generalmusikdirektor Evan Christ die chamäleonhafte Partitur zum Funkeln. […]“


Irene Constantin, Lausitzer Rundschau, 27.1.2014

„[…] Andreas Jäpel war für die Titelgestalt eine Traumbesetzung und hat mit der Titelgestalt eine Traumrolle gesungen und gespielt. Markante große, sehr wandlungsfähige und eine Figur stimmlich modellierende Baritontöne in einer Riesenpartie, großspurig und kleinlaut, auch albern oder hart und rücksichtslos und am Ende ein Häuflein Elend in Solveigs ewigem Haus. Solveig, Cornelia Zink, bei aller Zartheit die Liebe und zähe Hingabe selbst. Ihr Schlussgesang war pures Opernglück. Wer noch war besonders in dieser besonderen Ensembleleistung: Matthias Bleidorn als gerissener Trollkönig, Gesine Forberger als silbrig gleißende verführerische Trolltochter, Jörn E. Werner schließlich, der bucklige Unbekannte, Tod und wartender Teufel zugleich. Stanley, Lichtenberg, Fischer, Kleinke, Wilde, Brachmann, Witzke, Walter: Man freut sich einmal mehr über ihren Zusammenklang, ihr Zusammenspiel. Riesen-Jubel! […]“


Frederik Hanssen, rbb Kulturradio, 27.1.2014

„[…] Und in der Tat ist hier ein höchst spannendes Stück Musiktheater zu entdecken. Zudem ist die Cottbuser Produktion ein Musterbeispiel für funktionierendes Ensembletheater. Intendant Martin Schüler realisiert mit seiner eingeschworenen Solistentruppe eine packende Erzählung der Geschichte, die bei Szenenwechseln auf offener Bühne so organisch abläuft, dass es dem Zuhörer möglich wird, sich ganz auf die unbekannte Musik zu konzentrieren. […] In der Titelrolle beeindruckt der Bariton Andreas Jäpel, Generalmusikdirektor Evan Christ kann die kraftvolle, farbenreiche Partitur mit dem hochmotivierten Philharmonischen Orchester des Staatstheaters ideal umsetzen.“


Jan Brachmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.1.2014

„[…] Im Übrigen wird bewunderungswürdige Musik gemacht in Cottbus. Andreas Jäpel ist ein kraftvoller Peer mit großem, stets warmen Bariton und deutlicher Artikulation. Cornelia Zink als Solveig zeigt zarteste Lyrik mit festem Rückgrat. Wie lang und schön sie ihren leisen Schlusston hält – das ist ein Höhepunkt des Abends. Der Chor nimmt gleich für sich ein, wenn er im schummrigen Huhu-Stil alter Hawaii-Schlager dazu auffordert, nur das zu tun, was man will. Und Generalmusikdirektor Evan Christ hat zu Recht einen überregionalen guten Ruf erworben, weil er das Philharmonische Orchester beflügelt und die Musiker mit so viel Schwung wie Sauberkeit spielen lässt. […]“


Harald Asel, Inforadio, 27.1.2014

„[…] Die Drehbühne zeigt das Vergehen der Zeit und die Ortlosigkeit der Hauptfigur. Zwischen Märchen und Groteske, in einem irrealen Überall, ist diese Inszenierung angesiedelt. Regisseur Martin Schüler hält das Werk für klüger als sein Autor, denunziert es nicht. Daher ist die kulturhistorische Debatte ins Programmheft verbannt. […]“


Uwe Stiehler, Märkische Oderzeitung, 27.1.2014

„[…] Wie Cornelia Zink als Solveig ihren Peer mit ihrer Stimme einhüllt, beruhigt, erlöst, ist einfach hinreißend. Und auf diesem hohen musikalischen Niveau bewegt sich die ganze Inszenierung, für die Martin Schüler mit Andreas Jäpel eine Idealbesetzung gefunden hat. Jäpel singt Peer Gynt, diese wahnsinnig schwere Partie, genauso grandios, wie er ihn spielt. Evan Christ kitzelt dazu aus dem Philharmonischen Orchester des Hauses das dämonische Knistern und Flackern und die Unruhe in Peers Seele, die dieses ganze Stück durchziehen. Die Fantastik und das Bizarre hallen kongenial aus dem Graben wieder- einschließlich der ironischen Farbtupfer, die Egk durch versteckte Zitate einbaute. Der Cancan ist da das auffälligste. Egk wollte ein stimmungsvolles Gesamtkunstwerk. Wie das Cottbuser Publikum darauf reagiert hat? Mit nicht enden wollendem Applaus.“


Irene Constantin, Neues Deutschland, 3.2.2014

„Wer es bewundert, wie sich scheinbar wohlbekannte Künstler auf der Bühne immer wieder neu verwandeln können, wer dazu noch genießt, welche Töne und Facetten die Damen und Herren von der Oper diesmal wieder hören lassen, und wer beobachtet, wie sie sich im Zusammenklang und Zusammenspiel nahezu blind verstehen, der lebt im Glück, wenn er in Cottbus lebt. Dort gibt es seit Neuestem eine wahre Großtat des Ensembletheaters zu erleben, Martin Schülers bildersatte Inszenierung der selten gespielten Oper »Peer Gynt« von Werner Egk nach Henrik Ibsen. Das Orchester unter Evan Christ stürzte sich in die Fluten einer vielfarbig opulenten Musik und mit Andreas Jäpel hat Cottbus einen stimmlich differenzierten und spielfreudigen Sänger-Darsteller für die Titelfigur, den man eine Idealbesetzung nennen kann. […]“


Jens Daniel Schubert, Sächsische Zeitung, 28.1.2014

„[…] Evan Christ leitet die Aufführung mit großer Sicherheit und viel Schwung. Sein Philharmonisches Orchester kostet das breite stilistische Spektrum klangvoll aus. Da gibt es jazzige Elemente, Einflüsse amerikanischer Revuen neben großen durchkomponierten Opernszenen, da wird vom Offenbachschen Can-Can bis zum Bach’schen Choral parodiert, da ergänzen sich dramatische Zuspitzungen mit Klangfülle und Motivdichte eines Richard Strauss. Neben den großen, stücktragenden Rollen steht manch episodenhafte kleine Figur. Solistenensemble, Ballett, Opern-, Kinder- und Jugendchor sind mit großem Einsatz dabei, das Panorama des Stückes zu entfalten, und liefern manche hörens- und sehenswerte Einzelgeschichte. Dennoch lebt das Stück in erster Linie von der Titelpartie. Andreas Jäpel gestaltet den Peer Gynt mit vollem Einsatz, kraftvollem und genau differenziertem Gesang und ergreifendem Spiel. Er stellt den lustvollen Burschen, den amüsanten, manchmal komischen und liebenswerten Peer neben den Fiesling und kalten Egoisten, der getrieben wird und sich treiben lässt. Gesine Forberger spielt eine verführerische Rothaarige, das begehrenswerte Vollblutweib, das Gynt zu den Trollen zieht und ihn nie wieder ganz loslässt. Ihr Vater, der Troll-König, wird von Matthias Bleidorn treffend charakterisiert. Besonders eindrucksvoll ist, dass er, wie Blaubarts König Bobèche skurril-komisch wirkt, doch nie die latente Gefährlichkeit verliert. Und dann ist da natürlich Solveig, die Fremde im Dorf, das Peer zu eng wird und das ihn als Träumer und Spinner verstößt. Nur sie hält zu ihm, auch als er mit einer anderen flieht und sich auf die Trolle einlässt. Cornelia Zink hat die Ausstrahlung der lyrischen Andersartigkeit und der klaren, fast naiven Zuverlässigkeit dieser Figur. Zu beeindruckender Größe steigert sie sich am Schluss der Oper. […] Intendant und Regisseur Martin Schüler bietet mit seiner Ausstatterin Gundula Martin einen Fingerzeig, wie aus diesem überbordenden Finale, das ebenso märchenhaft, utopisch und realitätsfern ist wie die Begegnung mit Trollen und dem leibhaftigen Tod, die Gynt-Geschichte auch gesehen werden kann: als ein Weg der Selbsterkenntnis, ein innerer Vorgang. Doch weder das noch die möglichen Bezugspunkte zu Entstehungszeit und Komponistenbiografie bringen das Inszenierungsteam auf Abwege. Sie erzählen die Geschichte klar und nachvollziehbar, bedienen die Komposition in ihrer Vielfalt und verfolgen konsequent die Geschichte ihrer Figuren. Und so bleiben sie dicht am Publikum, das mit langem Beifall die Akteure feierte.“

Bildergalerie

Film

PEER GYNT - Werner Egk

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Glückwunsch an das Staatstheater Cottbus und Intendant Martin Schüler zu dieser Produktion. Diese Opernrarität zu erleben hat wieder einmal die Reise nach Cottbus gelohnt. Eine tolle phantasievolle und spannende Inszenierung …