Orpheus in der Unterwelt

Opéra-bouffon in 2 Akten von Jacques Offenbach
Kritische Ausgabe der OEK (Jean-Christophe Keck)
Libretto von Hector Crémieux / Ludovic Halévy
Aufführung in einer eigenen deutschen Textfassung

Das Prominentenpaar Orpheus und Eurydike – er Professor am Konser­vatorium, sie die schöne Gattin an seiner Seite – hat sich nach Jahren zermürbenden Ehealltags kräftig auseinander gelebt. Als Eurydike nicht ganz standesgemäß, doch sehr bereitwillig den Verführungskünsten eines po­tenten Gärtners erliegt, kann ihr Mann endlich aufatmen. Der Kon­kur­rent, so erfährt er, ist nämlich kein anderer als Pluto, der Chef der Un­ter­welt. Als Gärtner getarnt, befördert er Eurydike höchstselbst und schnur­­­stracks in seinen unterirdischen Herrschaftsbereich. Eigentlich wäre damit das leidige Eheproblem gelöst und Orpheus könnte sich wieder seinen lernfreudigen Schülerinnen zuwenden. Doch da tritt eine Frau dazwischen. Sie stellt sich als Öffentliche Meinung vor und dekretiert, sie werde Orpheus‘ Ruf als prominenter Künstler vernichten, falls er nicht unverzüglich die widerrechtlich abgängige Gattin zurückfordere. Und zwar bei der obersten kosmo-politischen Instanz, dem Göttervater Jupiter. Als Mensch der Öf­fent­­lichkeit müsse Orpheus eine makellose Ehe präsentieren. Nur widerwillig folgt der Strohwitwer der Öffentlichen Meinung zum Olymp. Welche Abenteuer er bei den aufmüpfigen, nur notdürftig zu einer heilen Familie zusammen gezwungenen Göttern erlebt, wie Eurydike zum erotischen Streitobjekt von Himmel und Hölle wird und was das alles mit einer schillernden Fliege zu tun hat – das ist in Offenbachs frecher Operette mit satirischem Witz und musikalischem Esprit zu erleben.

PREMIERE Samstag, 24. September 2011

Besetzung

Musikalische LeitungEvan Alexis Christ
RegieMartin Schüler
BühneGundula Martin
KostümNicole Lorenz
ChoreinstudierungChristian Möbius
ChoreographieDirk Neumann
DramaturgieDr. Carola Böhnisch
Musikalische AssistenzFrank Bernard, Irene Berlin, Christian Georgi, Andreas Simon, Peter Wingrich
Regie-/ChoreographieassistenzAnnaLisa Canton
 
OrpheusMatthias Bleidorn, Hardy Brachmann
EurydikeDebra Stanley, Cornelia Zink
Die öffentliche MeinungMarlene Lichtenberg
Pluto (Aristeus)Jens Klaus Wilde
JupiterMartin-Jan Nijhof
JunoCarola Fischer
DianaGesine Forberger
VenusKatharina Dittmar, Jana Frey
CupidoAneta Kolton
MarsIngo Witzke
MerkurDirk Kleinke
Hans StyxHeiko Walter
 
Göttinnen/Götter Damen und Herren des Opernchores
Journalisten Statisterie
 
Es tanzen die Damen und Herren des Ballettensembles.
Es spielt das Philharmonische Orchester.

Rezensionen

Dr. Andreas Gerth, Operapoint, 25.9.2011

„Mit der Rolle der Eurydike gibt die amerikanische Sopranistin Debra Stanley ihr Debüt in Cottbus, die ab dieser Spielzeit neu im Engagement des Hauses ist. Und sie geht direkt in die Vollen. Ihr lasziv-erotisches Spiel läßt keinen Gott der Ober- noch der Unterwelt kalt und ihre schmähenden Wutausbrüche gegenüber Orpheus sind an komödiantischer Intensität kaum zu überbieten. Dazu paart sich die geschmeidige Leichtigkeit ihres Soprans, der auch die höchsten Tonnuancen mit Wendigkeit und sublimer Brillanz auskostet. Man darf durchaus auf zukünftige Rollen von ihr in Cottbus gespannt sein. Herrlich auch das Zusammenspiel mit Hardy Brachmann (Orpheus). Er gibt im Spiel den gefrusteten Ehemann par excellence, der sowohl durch seinen karikierend überspitzt ausformulierten Gesang, wie auch durch lyrische Stimmfärbungen aufhorchen läßt. Ein weiterer Höhepunkt des Abends sind die obersten Götter. Jens Klaus Wilde (Pluto) hat darstellerisch als Gott der Unterwelt zahlreiche Lacher auf seiner Seite. Sein Tenor überzeugt zudem durch druckvolle Dynamik und klaren Duktus. Köstlich anzusehen sind auch Heiko Walter (Hans Styx), Baß Jörg Simon (Jupiter), der als Fliege seinen darstellerischen Höhepunkt erlebt und Carola Fischer als Juno. Ihr Spiel und Gesang überzeugen ebenso, wie das hohe Niveau aller übrigen Beteiligten. […] Die Inszenierung überzeugt auf ganzer Breite. Mit zahlreichen liebevoll eingerichteten Finessen und Überraschungen, wie etwa einem Blumengarten, der aus dem Orchestergraben erblüht, sorgen sowohl das Bühnenbild als auch die passenden Kostüme für viel Kurzweil. Dazu brennen alle beteiligten Sänger ein wahres Feuerwerk darstellerischer und gesanglicher Glanzpunkte ab, die den Abend zu einem rundum gelungenen Amüsement auf höchstem Niveau werden lassen. Bravo!"


Matthias Käther, Kulturradio vom rbb, 26.9.2011

„Der amerikanische Dirigent Evan Christ hat den charakteristischen Offenbach-Touch so perfekt getroffen, dass ich für einen Moment im Finale des ersten Aktes sogar einer optischen Täuschung erlag: Für eine Sekunde, während Evan Christ da herumwirbelte, war's mir, als ob der alte dünne Komponist selbst da unten stände. Das waren drängende, ja mitunter rasende Tempi, ein durchsichtiger, ja kammermusikalischer Orchestersound, der nie die Sänger zudeckte. […] Wer also einen wirklich exzellent musizierten, ja exemplarischen Offenbach hören will, sollte sich diesen ‚Orpheus‘ nicht entgehen lassen."


Harald Asel, Info-Radio vom rbb, 26.9.2011

„Natürlich ist sie unverwüstlich, diese Operette, genauer diese ópera-bouffon aus dem französischen Kaiserreich unter Napoleon III. Schon bei der Ouvertüre, mit Esprit und Effekt von Evan Christ am Pult des Orchesters vorangetrieben, wippte so manches Bein im Publikum. Auf der Bühne ein Videostill mit den 40 olympischen Göttern […]. Ein Videostill, mit zwischendurch aus der Rolle fallenden Herrschaften im Bettlakenlook. In solchen Momenten kommt ernsthafte Turbulenz der Musik und atmosphärische Genauigkeit der Inszenierung zueinander.“

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Orpheus in der Unterwelt

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Wir waren gestern in der Vorstellung. Möchte mich für die gelungene Vorstellung bedanken. Wir haben schon lange nicht mehr so viel gelacht. Auch die Künstler haben ihr Bestes gegeben. Danke, …