Orfeo ed Euridice (Orpheus und Eurydike)

Azione teatrale per musica in drei Akten von Christoph Willibald Gluck
Libretto von Raniero de'Calzabigi | Wiener Fassung von 1762
Aufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Die antiken Dichtungen Vergils und Ovids sind Quellen dieser anrührenden Liebesgeschichte um den Sänger Orpheus, der mit seiner Musik die finsteren Mächte der Unterwelt besänftigt. In tiefer Trauer um seine verstorbene Ehefrau Eurydike begibt sich Orpheus ins Totenreich, durch Hölle und Elysium, wo ihm die Prüfung auferlegt ist, die Geliebte nicht anblicken zu dürfen, weil er sie sonst für immer verliert. Gluck konzentriert sich in Orpheus’ Totenklagen, den gewaltigen Chören der Geister und Furien wie in der dramatischen Szene des Wiedersehens des Paares ganz auf die Psyche seiner Protagonisten.

Die Oper ORFEO ED EURIDICE von Christoph Willibald Gluck wurde nicht zuletzt durch die Arie „Che farò senza Euridice“ („Was werde ich ohne Eurydike tun?“) – besser bekannt unter dem Titel „Ach, ich habe sie verloren“ – weltberühmt. Gluck – in gewisser Weise der Wagner des 18. Jahrhunderts – entrümpelte die dominierenden Formen der italienischen Oper. Menschliche Dramen und Leidenschaften sollten im Vordergrund stehen, Musik und Wort gleichwertig sein.

COTTBUSER PREMIERE Samstag, 16. Februar 2013

Besetzung

Musikalische LeitungMarc Niemann
RegieMartin Schüler
Bühne und KostümeGundula Martin
ChoreinstudierungChristian Möbius
DramaturgieCarola Gerbert
RegieassistenzAnnaLisa Canton
Musikalische AssistenzBo-Kyoung Kim
ChorassistenzChristian Georgi
 
OrfeoMarlene Lichtenberg
EuridiceCornelia Zink
AmoreDebra Stanley
 
Damen und Herren des Opernchores
 
Es spielt das Philharmonische Orchester.

Rezensionen

Irene Constantin, Lausitzer Rundschau, 18.2.2013

„Mit stimmigen und starken Bildern ist es Martin Schüler gelungen, einen Blick unter die Oberfläche des Orpheus-Mythos zu eröffnen, wie ihn Glucks schnörkelfreie, fast klinisch reine Musik gebietet. […] Die herausragende Leistung, am Ende hochverdient bejubelt, gelang Marlene Lichtenberg als Orfeo. Alles, was sie sang, verströmte einen fast schmerzlichen Wohllaut, selbst in den dramatischen Rezitativen fokussierte und disziplinierte sie ihre Stimme. Nichts flackerte, nichts war zu laut, sie traf den Stil haargenau. Mit schönen kleinen Verzierungen erhöhte sie noch den Reiz der Partie. Und auch in ihrer physischen Ausstrahlung ist sie eine Idealbesetzung des Orfeo. Isa Katharina Gericke war als leidenschaftlich klagende, endlich bewusst verzichtende Euridice ebenfalls eine glückliche Besetzung. Amor hatte weder stimmlich noch in der Gestalt irgendwelche Puttenniedlichkeit an sich: androgyn, gertenschlank, verkündete Evmorfia Metaxaki mit kristallklarer Stimme die Grausamkeit des göttlichen Gebots. Ihre aufmunternden Arietten verbargen kaum etwas unterschwellig Bösartiges. Metaxaki und Lichtenberg erschienen tatsächlich wie zwei Seiten ein und derselben Person. Dem Chor in der Oper eine große und handlungsbezogen dramatische Rolle zu geben, gehört auch zu den Grundsätzen der Calzabigi-Gluckschen Opernreform. Christian Möbius hat seine vorzüglich einstudierte Chor-Kammerbesetzung darauf eingestellt. Von der Regie sehr individuell geführt grundierte der Chor das Unheimliche, Ambivalente der Inszenierung. Noch eine einzige Vorstellung gibt es – man sollte sie erlebt haben.“


Matthias Käther, Kulturradio vom rbb, 18.2.2013

„[…] ich war von der Zartheit und optischen Schönheit der Inszenierung absolut begeistert. Schüler ist es gelungen, die puristische Ästhetik Winkelmannscher Antike mit modernen psychoanalytischen Aspekten zu verbinden, und das in wuchtigen Gleichnis-Bildern. Die Unterwelt ist ganz in Weiß (!) gehalten, mit griechischen Säulen und einem auf Biedermeier getrimmten IKEA-Sofa. Eurydike liegt auf einem Podest tot in der Badewanne, eingehüllt in rote und weiße Stoffbahnen, eine Orgie optischer Nekrophilie. Amor mit Engelsputtenflügeln spielt eine Art Alter Ego von Orpheus – der denn auch seine eigenen Furien heraufbeschwört. Überhaupt ist die dynamische Umsetzung dieser handlungsarmen Oper ein Höhepunkt in Schülers Schaffen. Wie die albtraumhaften Geister von ablehnenden Furien sich in zärtliche, Orpheus umschmeichelnde Genien verwandeln, und das alles mit wahrhaft antiker Grandezza, allein das zu sehen hat den Abend schon gelohnt. Die elegante Choreografie des kleinen Werkes und die unaufdringliche Symbolik hat diesen Orpheus für mich zu einer der perfektesten und hinreißendsten Inszenierungen gemacht, die ich bisher von Martin Schüler gesehen habe. […] Wieder einmal auf bestem Niveau der Chor und das Orchester des Cottbusser Theaters (Leitung: Marc Niemann) – ich staune immer wieder über deren ungeheure stilistische Wandlungsfähigkeit! Angesichts dieser feinen Schattierungen und barocken Filigranität ist es kaum glaublich, dass dieselben Leute noch vor wenigen Tagen durch Leo Falls Madame Pompadour tobten.“

Bildergalerie

Film

ORFEO ED EURIDICE am Staatstheater Cottbus

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