Götterdämmerung

Musikdrama von Richard Wagner
Dritter Tag der Tetralogie DER RING DES NIBELUNGEN

Der Beginn der GÖTTERDÄMMERUNG lässt auf ein positives Ende der Ring­tetralogie hoffen: Siegfried besitzt den Ring, ohne seine Unheil stiftende Macht zu kennen. Er liebt die wissende Wotantochter Brünnhilde und schenkt ihr eben jenen Ring als Unterpfand seiner tiefen Gefühle für sie. Und doch ist dem Paar ein gemeinsames Leben in Liebe nicht möglich. Auch sie können sich nicht der Realität einer von Göttern und Nibelungen verfluchten Welt entziehen und verstricken sich in einem von Menschen gesponnenen Intrigennetz. Siegfried wird von Alberichs Sohn Hagen ermordet. Da setzt Brünnhilde die durch Machtgier und Besitz­streben, durch Feigheit und Verrat ruinierte Welt in Brand. Führt diese Tat neben der Eliminierung der Götter auch unweigerlich zur Auflösung der bestehenden Welt? Bevor Brünnhilde Siegfried in den Tod folgt, gibt sie – auf Besitz freiwillig verzichtend – den Ring an die Rheintöchter zurück. So kann endlich der verhängnisvolle Fluch enden, der auf dem Ring liegt. Den Menschen scheint damit die Möglichkeit eröffnet, aus der las­tenden Vergangenheit zu lernen. Der Gegenwart ist damit zumindest die Chance einer Zukunft gegeben. Doch Alberich, mit dem das Übel in die Welt kam, hat überlebt ...

PREMIERE Samstag, 30. März 2013

Präsentiert von

Besetzung

Musikalische LeitungEvan Alexis Christ
RegieMartin Schüler
Bühne und KostümeGundula Martin
ChoreinstudierungChristian Möbius
DramaturgieDr. Carola Böhnisch
Assistenz RegieHauke Tesch
Musikalische AssistenzAndré Cipowicz, Andreas Simon, Christian Georgi, Bo-Kyoung Kim
 
SiegfriedCraig Bermingham
GuntherAndreas Jäpel
AlberichThomas de Vries
HagenGary Jankowski
BrünnhildeSabine Paßow
GutruneGesine Forberger
WaltrauteMarlene Lichtenberg
 
Erste NornMarlene Lichtenberg
Zweite NornCarola Fischer
Dritte NornCornelia Zink
 
WoglindeCornelia Zink
WellgundeDebra Stanley
FloßhildeMarlene Lichtenberg
 
WotanHauke Tesch
 
Frauen und Mannen Damen und Herren des Opernchores, Herren des Chores Cantica Istropolitana (Bratislava),
Herren des Extrachores
 
Es spielt das Philharmonische Orchester.

Rezensionen

Dr. Andreas Gerth, Operapoint (online), 1.4.2013

„Die überzeugendste Leistung des Abends bietet Gary Jankoswksi als Prototyp Hagen. Sein Monolog atmet durch seinen kraftvoll zupackenden, erdig-nebulösen Baß die nötigen dräuenden Abgründe der Figur, die den Zuschauer auch in seinem ausdrucksstark diabolischen Spiel durchweg in seinen Bann ziehen. Hervorragend situiert zeigt sich auch Andreas Jäpel als ausgezeichnet zaudernd agierender Gunther. Sein eindrucksvoll geschmeidiger und selbst in den Höhen brillant strahlender Bariton empfiehlt ihn für weitere Hauptrollen. Sabine Paßow (Brünnhilde) demonstriert gesangliche Stärken vor allem im emotional aufgeladenen Zusammenspiel mit Siegfried. […] Ein weiterer Stern am Himmel der Aufführung ist Marlene Lichtenberg, deren dunkel timbrierter Mezzosopran vor allem in der Rolle der Waltraute formidable Farbschattierungen sowie ein sich weit öffnendes Höhenvolumen offenbart. […] Evan Christ führt das Philharmonische Orchester zu einer absoluten musikalischen Spitzenleistung, die vom düsteren Aufglimmen unheilvoller Tremoli bis hin zu strahlend gleißenden Klangfluten Wagners Klangkosmos mitreißend erschließen. Zudem ist der Chor derart hervorragend aufgestellt, daß es einen förmlich von den Stühlen reißt. […] Nach dem letzten Akkord der Aufführung in Cottbus ist jedenfalls eines klar: Die semiszenische Umsetzung überzeugt durch packende Emotionalität und, auf Grund der Leistung aller Beteiligten, schließt sich mit der Cottbuser ‚Götterdämmerung der Ring‘ zu einem Reif aus purem musikalischem Gold.“


Irene Constantin, Lausitzer Rundschau, 2.4.2013

„Wo steht geschrieben, dass die ‚Götterdämmerung‘, der gewaltige Schlussstein in Richard Wagners ‚Ring‘-Bauwerk, ein tragisches, tiefernstes Werk sein muss? Martin Schüler jedenfalls las das Stück nicht so. […] Wie ein Artist auf dem Schlappseil balanciert er in seiner Inszenierung lachend über alle Untiefen populärer Ästhetik. Aber er fällt nicht, bricht sich bis zum letzten, endlich das ganze Drama auflösenden Akkord nicht das Genick. Bis dahin hat Schüler alle Bilder, die man kennt und liebt, zutage gefördert: das Märchenspiel und die Vorabendserie, die Gesellschaftsklamotte, Ritterfilme und den düsteren Western-Rächer. Schließlich darf auch Bakunin noch seinen anarchistischen Feuerzauber entfalten, und zum allerletzten Schluss kichert der junge Pierre Boulez aus der Proszeniumsloge herunter: Sprengt die Opernhäuser in die Luft, es wäre die eleganteste Lösung. Man kann ihn nicht sehen, denn das Cottbuser Theater-Walhall brennt mit einer solchen Rauchentwicklung, wie man die Burg der abgewirtschafteten Wotan-Clique wahrlich noch nie verdämmern sah.“


Irene Constantin, Neues Deutschland, 5.4.2013

„Das Orchester entfaltet in seiner Hauptrolle als kollektiver Erzähler den Zauber der verborgenen Beziehungen, verschlungenen Motive, der vielfach verschachtelten Geschichten und Vorgeschichten. Evan Christ führt es in die Tiefen des Mythos, lässt Motive auseinander erwachsen, lauscht ihren harmonischen Umdeutungen nach; sehr spannend. […] Im Zusammenspiel mit Martin Schülers Personenführung ergab sich ein durchaus überraschender Zugriff auf das Schlussstück der »Ring«-Tetralogie. […] Mit Sabine Paßow […] hat das Cottbuser Theater eine sehr gute Brünnhilde aufgeboten. Dem Stil der Inszenierung entsprechend handfest ging sie doch sehr genau den langen Weg vom euphorisch liebesblinden Heldenweib über die verzweifelt Hassende hin zur weise gewordenen und somit zur Verzeihung fähigen Frau. Nach allen Jubel- und Zornes-Ekstasen stand Paßow für den kräftezehrenden Schlussgesang noch immer eine schöne biegsame Wärme in der Stimme zur Verfügung. Ihr Gegenspieler Hagen, Gary Jankowski, ist zwar als Alberichs Sohn schon für den Verrat gezeugt und als Figur keiner Entwicklung fähig, stimmlich indes wurde Jankowskis schwarzer Bass im Laufe des Abends immer flexibler und ausdrucksstärker. Craig Bermingham, ein blonder und geradezu penetrant munterer Bilderbuch-Siegfried, hat mit dem Abschiedsgruß an Brünnhilde seine sängerisch schönsten Momente.“


Jürgen Heinrich, Der Märkische Bote, 6.4.2013

„Welch ein Erlebnis: Während draußen die Osterfeuer loderten, stand drinnen die Wagner-Welt in Flammen. Und wie! Diesmal hatten Bühnenrauch und raffinierte Lichteffekte wahrhaftig dramatische Wirkung, steigerten das grandiose Finale dieses gewaltigen RING-Projektes zu einem unvergesslichen tiefen Eindruck. Das Publikum jubelte nach fünfeinhalb Stunden ohne Anzeichen geringster Ermüdung. Die ‚Götterdämmerung‘ war (und ist) großes Musiktheater weit über dem, was in einer kleinen ostdeutschen Stadt zu erwarten wäre. Die Fachwelt spricht ohne Zögern von internationalen Vergleichen, denen diese Martin- Schüler-Inszenierung mühelos standhält. Bravo.“

Bildergalerie

Film

GÖTTERDÄMMERUNG am Staatstheater Cottbus

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Wundervoll, fulminant, großartig, komisch: Was für ein herrlicher Opernabend, und Dank auch an die sensationell freundlichen Servicekräfte, die auch die Pausen zu einer Freude machten.