Genoveva

Oper in vier Akten von Robert Schumann
Libretto nach Ludwig Tieck und Friedrich Hebbel
DAS BESONDERE OPERNEREIGNIS

Robert Schumanns einzige Oper Genoveva ist anlässlich seines 200. Geburtstages erstmals am Cottbuser Theater zu erleben. In der Geschichte vom Pfalzgrafen Siegfried geht es um hinterhältige Intrigen, blutige Rache und stille Duldung: Der Pfalzgraf zieht gegen die Ungläubigen in den Kampf, während seine treue Gemahlin Genoveva allen erotischen Anfechtungen fast bis in den Tod hinein standhält. In dem Libretto, das Schumann nach Motiven von Ludwig Tieck und Friedrich Hebbel selbst schrieb, steckt ein Psychodrama um Liebe, Begierde, um Treue und Ehre, Pflicht und Glauben. Die Musik bildet jedoch die Handlung nicht ab, sondern begleitet das epische Geschehen in Form eines inneren Kommentars. Jede Regung der Figuren wird von einem sich verströmenden Melos haarscharf registriert. Tiefe Abgründe des Unbewussten brechen auf. Dadurch entsteht ein regelrechtes Seelendrama, ein dichtes Beziehungsgeflecht aus Ahnungen, Erinnerungen und jäh einfallenden Aktionen. Der Dirigent Nikolaus Harnoncourt nennt Genoveva in diesem Sinne eine „Neuerfindung der Oper" und die bedeutendste Opernkomposition aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt der Cottbuser Produktion liegt darin, in einer fast freudianischen Seelenanalyse durch das Medium Musik die Komposition erlebbar zu machen.

PREMIERE Samstag, 29. Mai 2010

Präsentiert von

Besetzung

Musikalische LeitungEvan Alexis Christ
RegieMartin Schüler
AusstattungGundula Martin
ChoreinstudierungChristian Möbius
DramaturgieDr. Carola Böhnisch
Regieassistenz
Musikalische AssistenzFrank Bernard, Irene Berlin, Christian Georgi, Andreas Simon, Peter Wingrich
ChorassistenzIrene Berlin
GenovevaGesine Forberger
Golo, RitterJens Klaus Wilde
Siegfried, PfalzgrafAndreas Jäpel
Margaretha, Amme GolosSimone Schröder
Drago, HaushofmeisterJörg Simon
Hidulfus, BischofVolker Maria Rabe, Ingo Witzke
Balthasar, DienerHeiko Walter
Caspar, DienerThomas Pöschel
 
Kriegsgefolge, Dienerschaft Damen und Herren des Opernchores
Es spielt das Philharmonische Orchester.

Rezensionen

Irene Constantin, Lausitzer Rundschau, 31.5.2010

„War es die deutsche Rittergeschichte, war es die anrührende Titelfigur, sah Schumann sich selbst in dem zerrissenen Golo? Dass die Stoffwahl psychologische Hintergründe hatte, liegt bei Schumanns fragiler Künstlerpersönlichkeit auf der Hand. Die Komposition in ihrer vielfachen motivischen Bezüglichkeit, mit ihren subtilen, unopernhaften Formen lässt kaum eine andere Denkmöglichkeit zu und Regisseur Martin Schüler hat die Oper auch als Psychothriller inszeniert. Bühnenbildnerin Gundula Martin baute ihm ein Spiegelkabinett, in dem jeder jeden - und sich selbst - sehen kann. Aber die Spiegelwände sind gebogen und zersplittert; alle bekommen Zerrbilder. […] Jens Klaus Wilde ist eine Idealbesetzung für den romantischen Helden, der liebt und hasst, der seelenvoll ist und zum grausamen Intriganten wird, der die Welt fliehen und seine Todessehnsucht auf dem Schlachtfeld verklären möchte. Wildes gesanglicher Gestus macht diese Zerrissenheit hörbar vom zarten Liebesduett bis zum Spitzenton an der vokalen Grenze, bis zum Schrei. Gesine Forberger und Heidi Jütten als weibliche Gegensätze - lyrisch, dabei vielschichtig und eindringlich die eine, schillernd und hochfahrend die andere.“

Uwe Stiehler, Märkische Oderzeitung, 1.6.2010

„Was Schumann für ein Meisterwerk hielt, gilt heute als nahezu unspielbar und wird so gut wie nie aufgeführt. Denn es ist keine Oper, sondern mehr eine ausladende Sinfonie, deren Leitmotive sich weder an bestimmte Personen noch Handlungsstränge knüpfen. [...] Sich der „Genoveva" anzunehmen, bleibt deshalb auch im Schumann-Jahr ein äußerst riskantes Unterfangen. Allein sich darauf eingelassen zu haben, dafür gebührt dem Staatstheater Cottbus Respekt, aber noch mehr, wie das Stück unter der Regie von Martin Schüler und in der Dramaturgie von Carola Böhnisch an Stringenz und Kontur gewinnt. Die Cottbuser haben aus diesem von Gesang begleiteten Instrumentalstück eine wirkliche Oper gemacht. Das gelingt ihnen, weil die Ensembleleistung stimmt. Evan Christ nimmt das Orchester konsequent an die Zügel und den sinfonischen Charakter der Musik zurück. Umso größeres Gewicht bekommen die nun deutlich ausgeformten Charaktere. Die von Gesine Forberger mit fiebriger Innigkeit gesungene Genoveva ist eine kindlich-naive Frau, die bis zur Selbstaufgabe einen Mann liebt, der in ihr nur ein Attribut seiner Selbstinszenierung sieht. Andreas Jäpel gibt Siegfried entsprechend kühl und selbstverliebt. Jens Klaus Wilde macht in einem geradezu rauschhaften Spiel aus dem lauen Schumann-Golo eine zerrissene, von Affekten getriebene und sich selbst zerstörende Figur. Die Inszenierung lässt Wilde einen Golo herausschälen, der nicht nur an Tieck und Hebbel, sondern auch an Kleists trügerische Beschützer erinnert. In Wildes Golo finden musikalische und literarische Romantik zusammen und verschmelzen zum Schumann-Ideal eines literarisch-musikalischen Gesamtbildes."

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