Eugen Onegin

Oper in drei Akten op. 24 von Peter Tschaikowski nach Alexander Puschkin
Deutsch von Wolf Ebermann und Manfred Koerth

„Ich halte Ausschau nach einem intimen, aber kraftvollen Drama, das aufgebaut ist aus dem Konflikt, der mich wirklich berührt", schrieb Peter Tschaikowski. In seiner Oper EUGEN ONEGIN geht es um nichts Geringeres als um verpasste Lebenschancen. Alle äußerlichen Operneffekte wie Giftanschläge, Intrigen oder schwülstige Liebesschwüre aussparend, offenbart Tschaikowski in der besonderen Atmosphäre lyrischer Szenen die Gefühlsbewegungen junger Menschen - ihre Melancholie, Sehnsucht, Leidenschaft und Trauer. Der junge Dichter Lenski ist mit der lebenslustigen Olga verlobt. Als er im Gutshaus der künftigen Schwiegermutter seinen Freund Eugen Onegin vorstellt, verliebt sich Olgas scheue Schwester Tatjana sofort in den weltgewandten Fremden. Auf ihn projiziert sie alle Sehnsucht nach Leben und Liebe. Doch Onegin weist sie zurück. Während eines Balles macht er sogar ihrer Schwester Olga den Hof, nur um seinen Freund Lenski in spielerischem Leichtsinn zu provozieren. Dabei kommt es zu einem Eklat. Eifersüchtig fordert Lenski seinen Freund zum Duell und wird selbst getötet. Onegin flieht ins Ausland und kehrt erst Jahre später in seine Heimat zurück. Auf einem Fest begegnet er Tatjana, die inzwischen die Frau des reichen Fürsten Gremin geworden ist. Plötzlich begreift er, wessen Liebe er damals ausgeschlagen hat, und versucht leidenschaftlich und verzweifelt, die junge Frau zurückzugewinnen. Doch Tatjana, die ihn noch immer liebt, bekennt sich zu ihrer Ehe. Einsam bleibt Onegin zurück. Tschaikowskis 1879 im Moskauer Mali-Theater uraufgeführtes Werk EUGEN ONEGIN avancierte schnell zur weltweit beliebtesten russischen Oper des 19. Jahrhunderts.

PREMIERE Samstag, 29. Januar 2011

Besetzung

Musikalische LeitungEvan Alexis Christ
RegieMartin Schüler
AusstattungGundula Martin
ChoreinstudierungChristian Möbius
DramaturgieDr. Carola Böhnisch
Musikalische AssistenzFrank Bernard, Christian Georgi, Andreas Simon, Peter Wingrich
Musikalische Assistenz/ChorassistenzIrene Berlin
RegieassistenzAnnaLisa Canton
 
Die LarinaCarola Fischer
TatjanaAnna Sommerfeld
OlgaMarlene Lichtenberg
FilipjewnaMarie-Luise Heinritz
Eugen OneginAndreas Jäpel
Wladimir LenskiJens Klaus Wilde, Matthias Bleidorn
Fürst GreminIngo Witzke
Ein Hauptmann, SaretzkiJörg Simon, Heiko Walter
TriquetDirk Kleinke
 
Damen und Herren des Opernchores
Damen und Herren des Ballettensembles
Es spielt das Philharmonische Orchester.

Rezensionen

Jens Daniel Schubert, Sächsische Zeitung, 4.2.2011

„Schüler inszenierte mit Liebe zum Detail eine russisch-romantische Geschichte: Groß in den Tableaus des hervorragenden Chores, mit viel Theatralik in intimen Szenen und weitab von einer Lesart, die dem Zuschauer Gedanken an mögliche Betroffenheit aufzwingt. […] Durch genaue Figurenführung erzählt Schüler die bekannte Geschichte und weckt Mitgefühl. Dabei hat er Sänger solider Qualität zur Seite, die mit darstellerischer Intensität und guter Stimmführung die Oper nachvollziehbar lebendig werden lassen. Matthias Bleidorn ist ein Lenski mit einigen wunderschönen Tönen und großer Verbissenheit, Marlene Lichtenberg hat ein beeindruckendes tiefes Register und bleibt als Olga darstellerisch ambivalent zwischen unschuldig naiv und bewusst genau damit spielend. […] Dabei zeigt Andreas Jäpel in der Titelpartie die wohl beeindruckendste Leistung. Seine gut ablesbare Entwicklung ist beachtlich, seine stimmliche Leistung rundum überzeugend.“


Irene Constantin, Lausitzer Rundschau, 31.1.2011

„Eine so herzzerreißend mädchenhaft in zarten Tönen gesungene Briefszene, musikalisch logisch phrasiert, leidenschaftlich und dennoch ohne Primadonnenhaftes. Im dritten Akt als Fürstin Gremina machte Anna Sommerfeld dann eine grandiose Figur; zerrissen zwar, aber überlegen dem Verderben an Onegins Seite aus dem Wege gehend. Matthias Bleidorn spielte den netten Herrn von nebenan, der die kleine Olga schon als Kind kannte. Jetzt macht er sich Hoffnungen, sie heiraten zu dürfen, schließlich ist in der ländlichen Umgebung kein standesgemäßer Konkurrent zu sehen. Dass er und die temperamentvolle Olga kaum zueinanderpassen, ist nicht wichtig. Sobald aber ein Nebenbuhler erscheint, und sei es auch nur in seiner Einbildung und sei es auch sein Freund Onegin, gerät er außer sich. Bleidorn singt diese Fragilität der Seelenlage Lenskis überzeugend, seine Aufregung, sein Nicht-zurück-Können, schließlich die überzarte Erinnerung: Wohin seid ihr entschwunden, ihr schönen Tage der Jugendzeit? Dirk Kleinke gibt den Triquet als etwas heruntergekommenen Taschenspieler, mehr auf seine eigenen Zauberer-Effekte bedacht als auf Tatjana und ihren Geburtstag. Andreas Jäpel beherrscht den Onegin stimmlich überaus souverän und spielt, was die Regie von ihm verlangt: Einen von Anfang an arrogant schnöseligen Typen, der am Ende keineswegs geläutert, sondern sentimental, larmoyant und sogar aggressiv auf Tatjana zukommt.“


Matthias Käther, kulturradio vom rbb, 31.1.2011

„Das war der erste Onegin, in dem mir so deutlich aufgefallen ist, wie satirisch-boshaft Tschaikowskys Musik durchaus sein kann.“


Martin Stefke, Märkische Allgemeine, 3.2.2011

„Der romantischen Liebe gehört dieser Cottbuser Abend. Und – ohne Frage – den Sängerinnen und Sängern des Staatstheaters. […] Zwar muss Andreas Jäpel seinen Onegin von Anfang als durchweg unsympathischen Menschen präsentieren. Stimmlich indes darf der Sänger zeigen, was er kann. Matthias Bleidorn führt Lenski trefflich als ungestüm Liebenden vor. Marlene Lichtenberg (neu im Ensemble und ein Gewinn) ist eine lebenslustige Olga. Vor allem aber begeistert Anna Sommerfeld. Sie gibt Tatjana ganz als Träumerin. Wo immer die Sommerfeld ist, schwingt tiefes, mädchenhaftes Wünschen und heftiges Sehnen mit. Wenn sie vom „Zauberglück der Liebe“ singt, spricht aus ihrem lichten Sopran all das Unglück, das der Komponist in die Partitur hinein geschrieben hat. Wundersam vereint sich diese Stimme da mit der von Generalmusikdirektor Evan Christ aus dem Graben geradezu hervorgepressten Leidenschaft der schwelgenden Streicher und klagenden Bläser. […] Dirk Kleinke entwickelt seine Partie aus dem famosen Widerspruch von samtweichem Tenor und der Wucht seiner imposanten Statur. Kleinke bezaubert wahrlich, ob er nun mit leiser Resignation das ‚Brillez, brillez toujours, belle Tatjana’ anstimmt oder einer verdutzen Anwesenden eine schier endlose Papierschlange aus dem staunenden Munde hervor zaubert.“

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