Cosi fan tutte

oder DIE SCHULE DER LIEBENDEN
Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Lorenzo da Ponte
Deutsche Übersetzung der Rezitative von Kurt Honolka
Aufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Frauen - behauptet der Philosoph Don Alfonso provokativ - seien a priori unberechenbar und zur Treue nicht fähig. Um die naive Selbstsicherheit der beiden jungen Offiziere Ferrando und Guglielmo zu hinterfragen, initiiert er eine Wette: Für 100 Zechinen wolle er den beiden Männern beweisen, dass ihre jeweiligen Verlobten innerhalb eines Tages untreu werden. Topp! Die Wette gilt - und die paradoxe Verwirrung der Gefühle beginnt: Die beiden Bräute, Fiordiligi und Dorabella, nehmen Abschied von ihren so plötzlich in den Krieg eingezogenen Offizieren, die jedoch wenig später als zwei exotisch verkleidete Fremde zurückkehren. In dieser Maskerade versuchen sie nun, den Anweisungen Alfonsos folgend, die Braut des jeweils anderen zu verführen. Vorerst widerstehen die Frauen empört. Doch dann bringen kleine Siege die Männer der eigenen Niederlage näher. Nach und nach zerstören sie selbst ihr vorher so felsenfest behauptetes Glück. Das Spiel entgleitet den Spielern. Abgründe tun sich auf. Unbewusstes und geheime, verdrängte Träume kommen ans Licht. Plötzlich scheint Gelegenheit, sie zu leben. Am Ende dieser „Schule der Liebenden" gibt es keine idealisierende Selbstsicherheit mehr und keine herbeiphantasierten Postulate. Doch die Ent-Täuschung bietet die Chance für eine echte Partnerschaft. So stürzen in Mozarts Dramma giocoso Komödie und Tragödie, Liebe, Verzweiflung, Todessehnsucht und Hoffnung ineinander - ein musikalisches Laboratorium der Gefühle.

PREMIERE Sonntag, 28. Juni 2009

Besetzung

Musikalische LeitungEvan Alexis Christ
RegieHauke Tesch
AusstattungGundula Martin
DramaturgieDr. Carola Böhnisch
RegieassistenzAnnaLisa Canton,
FiordiligiAnna Sommerfeld
DorabellaAnne-Theresa Albrecht, Jana Frey
DespinaCornelia Zink
FerrandoHardy Brachmann
GuglielmoAndreas Jäpel
Don AlfonsoJörg Simon, Mario Klein
Kellnerin
Soldaten/Diener Damen und Herren des Opernchores
Es spielt das Philharmonische Orchester.

Rezensionen

Irene Constantin, Lausitzer Rundschau, 30.6.2009

„Die oft erfolgreich geübte Praxis, moderne Instrumente wie Originalinstrumente klingen zu lassen, versuchte Evan Christ erst gar nicht, sondern bekannte sich – entsprechend der Solistenriege – zu relativ üppiger Besetzung und recht sattem Klangbild. Dazu passte sein freier Umgang mit den Tempi und den Ausdrucksmöglichkeiten der Partitur. Manchmal ließ er sich ordentlich Zeit, an anderen Stellen zog er davon. Dies und die immer wieder reizvollen Details, die bis zum Schmerz ausgehaltenen Reibungen im ‚Soave’, die wie unterirdische Lava brodelnden schnellen Noten der Ouvertüre, die knochenharten Soldatenstiefel der Kavaliere oder das weit in romantische Ausdrucksbereiche hineinreichende erste Verführungs-Accompagnato der verkleideten Männer machten den Abend noch über alle inszenatorische Munterkeit hinaus hoch spannend.
Die Solisten bereiteten durchweg Freude. Anna Sommerfeld, Fiordiligi, als erwachsenere der beiden Schwestern mit warm leuchtender Stimme, die selbst in den Koloraturen noch eine gefühlstiefe Innigkeit hören ließ, kontrastierte angenehm mit der Gastsolistin Anne-Theresa Albrecht als etwas lockererer Dorabella. Wunderschön ihre köstlich übertriebene Verzweiflungsarie nach dem Abmarsch der Verlobten. Virtuosität, gewürzt mit einer fein abgewogenen Selbstironie in Spiel und Gesang, machten jeden ihrer Auftritte amüsant. Cornelia Zink war als Despina eine echte ‚Perle’, wie sie sich jede leicht gelangweilte Hausfrau nur wünschen kann. Gott sei Dank gab sie sich weder allzu putzig mädchenhaft noch allzu grotesk als Arzt und Notar.“

Dr. Andreas Gerth, www.operapoint.de, 30.6.2009

„Die jungen Offiziere Ferrando und Guglielmo sind sich der Liebe ihrer Bräute Fiordiligi und Dorabella sicher und preisen sie in den höchsten Tönen. [ ...] Die Tenorstimme von Hardy Brachmann (Ferrando) mit nuancenreichem, druckvollem Timbre und betörendem Schmelz lyrischer Emphase sowie expressivem Duktus wie im ‚Tradito, schernito - Verraten, verspottet' wird lange in Erinnerung bleiben. Köstlich sein Mimenspiel zusammen mit Andreas Jäpel (Guglielmo), dessen voller, warmer Bariton im ‚Donne mie, la fate a tanti - Mädchen, so treibt ihr's mit allen!' impulsiv aufleuchtet. Jörg Simon (Don Alfonso) intoniert seinen Baß in den Tiefen sauber und zeigt insbesondere in den lyrischen Passagen ausgezeichnet lichte Momente. Sein Parlando ist zudem lupenrein. Mit herrlich schnarrend überzeichneter Stimme und im ‚Una donna a quindici anni - Schon ein Mädchen von fünfzehn Jahren' mit superb getroffenen Höhen wartet die Sopranistin Cornelia Zink (Despina) auf. Hinzu tritt ihr gekonnt lasziv anzügliches Spiel. Das Philharmonische Orchester unter Evan Christ bettet den Gesang der Akteure in ein subtil hochauflösendes Klangfarbspektrum, das voller Spielfreude vorgetragen wird. Auch der stimmlich sauber durchstrukturierte Chor des Staatstheaters Cottbus rundet die Leistung aller Beteiligten gekonnt ab.
Eine Inszenierung [Hauke Tesch, Anmerkung d. Red.] mit hervorragend umgesetzter Kammerspielatmosphäre, die durch die gesanglich und spielerisch überdurchschnittlichen Leistungen der Akteure von der ersten bis zur letzten Note die Aufmerksamkeit auf sich zieht und den Gefühlsrausch des Stückes eindringlich aufflammen läßt. Beide Daumen hoch!"

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