Carmen

Oper von Georges Bizet

Dieses faszinierende und zugleich irritierende Werk gilt als die meist gespielte Oper des Repertoires überhaupt. Dass CARMEN von seinem erotischen Charme und dem provozierenden Gestus bis heute kaum etwas eingebüßt hat, spricht nicht nur für Georges Bizets musikalische Meisterschaft, sondern auch für die Faszination des Stoffes: Der Sergeant José verfällt der wilden Ausstrahlung der Zigeunerin Carmen. Indem er ihr in einer ausweglosen Situation zur Flucht verhilft, setzt er seine soldatische Ehre ebenso aufs Spiel wie alle bisherigen Zukunftspläne. Als die junge Frau mit einer Liebesnacht ihren Dank für die Rettung begleichen will, wird José zum Deserteur. Er folgt Carmen, um als Schmuggler an ihrer Seite zu leben und sie ganz besitzen zu können. Doch seine absolute Hingabe kollidiert mit ihrem grenzenlosen Freiheitswillen, der sich von Nichts und Niemandem vereinnahmen lässt. Dass Carmen leidenschaftlich den Augenblick leben will im vollen Bewusstsein aller damit verbundenen Risiken – gerade interessiert sie sich für den Stierkämpfer Escamillo –, erträgt José nicht. Weil es ihm nicht gelingt, Carmen an sich zu binden, tötet er sie.

Die Begegnung von Carmen und José ist geprägt von einer exzessiven erotischen Spannung, die sich aus dem speist, was der Liebe zum tödlichen Verhängnis werden kann. Der Komponist Georges Bizet gestaltete CARMEN 1875 nach der Novelle von Prosper Mérimée (1845) als Opéra comique, die musikalisch das gesamte Spektrum von Alltäglichkeit und Banalität, Verführung und Spiel, Härte und Grausamkeit einsetzt.

PREMIERE Freitag, 11. Oktober 2013

Präsentiert von

Besetzung

Musikalische LeitungIvo Hentschel
Regie & BühneMatthias Oldag
KostümeBarbara Blaschke
ChoreinstudierungChristian Möbius
DramaturgieBernhard Lenort
Regieassistenz &
Choreographische Mitarbeit
AnnaLisa Canton
Einstudierung KinderchorNorienne Olberg
Musikalische AssistenzFrank Bernard, André Cipowicz, Christian Georgi, Bo-Kyoung Kim
 
CarmenMarlene Lichtenberg
Don JoséJens Klaus Wilde
RemendadoHardy Brachmann, Dirk Kleinke
DancaïroHeiko Walter
MoralésChristoph Bier, Jarosław Mielniczuk
ZunigaIngo Witzke
EscamilloThomas de Vries
FrasquitaDebra Stanley, Katerina Fridland
MercédèsCarola Fischer
MicaëlaGesine Forberger
Lilas PastiaJörn E. Werner
 
Soldaten, junge Männer, Zigarettenarbeiterinnen, Polizisten,
Stierkämpfer etc.
Damen und Herren des Opern- und Extrachores
Gassenjungen Mitglieder des Kinder- und Jugendchores
 
Es spielt das Philharmonische Orchester.

Rezensionen

Irene Constantin, Lausitzer Rundschau, 14.10.2013

„Der Handlungsort am südlichen Rand Europas, die Stichworte ‚Schmuggler‘ und ‚Soldaten‘ haben Regisseur Matthias Oldag an die Grenzen der ‚Festung Europa‘ denken lassen. Flüchtlinge, Menschenhandel, illegale(?) Arbeitskräfte in der Zigarettenfabrik, selbst der Begriff ‚Zigeuner‘ mit allen Untertönen – all das passt genau. Die Schmuggler werden im 3. Akt auf einem finsteren Lagerplatz einen Container voller Flüchtlinge erwarten und ‚entladen‘. Es hätte angesichts der aktuellen Nachrichten nicht einmal der verwendeten Videobilder bedurft, um Zeit und Situation zu umreißen. […] Seine Konzeption für Cottbus weiterzuentwickeln, hieß für Matthias Oldag wohl vor allem, die Figuren den Sängerdarstellern des Cottbuser Ensembles buchstäblich auf die Haut zu schreiben. Oldag beherrscht die Kunst der psychologischen Personenführung bis ins Detail und nutzt sie um die Opernfiguren von ihrem Postament der mythischen Überhöhung herunterzuholen. Der fein ziselierte Umgang mit den Personen macht denn auch den eigentlichen Reiz seiner Regiearbeit aus.“ 

Die Carmen Marlene Lichtenbergs lässt Oldag „rotzfrech sein, absolut respektlos, vollkommen frei von jeder Furcht. Sie verführt nicht durch Geheimnis, sondern durch Direktheit. Die Stimme ist dichter Carmen-Samt, dunkel getönte Tiefe. Sie wird von Hit zu Hit besser. Der auf der Bühne wieder einmal faszinierendste Typ des Cottbuser Ensembles, Jens Klaus Wilde, ist Don José. Wilde wirft sich in jede Rolle, als gelte es sein Leben; auch als unglaublich authentischer José zerreißt er sich in der Luft und am Boden. […] Gesine Forberger wirkt zu erwachsen, als dass sie mit der Michaela die übliche ländliche Unschuld geben könnte. Also hat der Regisseur sie von Anfang an wissen lassen, was bei José läuft. Entsprechend war die Michaela gesanglich geformt, hell, klar, energisch. […] Der Stierkampf kommt nur als Videoprojektion vor, während der Chor in Konzertkleidung von den Seitenlogen singt, zwar auf Deutsch in der Felsenstein-Fassung, aber erfreulich französisch leicht und stilsicher. […]“ 


Dr. Andreas Gerth, Operapoint, 16.10.2013

„Die Habanera wird von Marlene Lichtenberg mit geschmeidigem Timbre und gelöst wendiger Phrasierung vorgetragen. Zudem überzeugt sie mit straffer Linienführung und weiter Öffnung in den Höhen in den Duetten. Jens Klaus Wilde (Don José) zeigt seine Stärken in den lyrischen Passagen, die mit geschmeidigem Glanz verführen. […] Größere stimmliche Sogkraft mit teilweise jugendlichem Charme entwickeln Gesine Forberger (Micaëla), Debra Stanley (Frasquita) und Carola Fischer (Mercédès). Baß Ingo Witzke (Zuniga) überzeugt zudem mit klarem Duktus und Heiko Walter (Dancairo) sowie Hardy Brachmann (Remendado) brillieren spielerisch als moderne Westentaschengauner. Das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus ist der unumstrittene Star des Abends. Bereits in der Ouvertüre verbreitet der Klangkörper unter Marc Niemann ein betörend verführerisches Feuer wuchtig dramatischer Gefühlswelten, wobei es ihm gelingt, akustisch die ganze Aufführung hindurch die heiße Sonne Spaniens am Bühnenhorizont auflodern zu lassen. Ein Bravo auch dem hervorragend aufgestellten Chor. […]“


Renate Kulick-Aldag, Cottbuser Wochenkurier, 16.10.2013

„Rundherum gelungen ist die Aufführung der Oper ‚Carmen‘ von Georges Bizet im Großen Haus. Die ‚Carmen‘ scheint Marlene Lichtenberg auf den Leib geschrieben. Großartige Musik, wunderbare darstellerische Umsetzung, Kostüme, Bühnenbild – alles passt. ‚Carmen‘, die erfolgreichste Oper überhaupt, wird auch in Cottbus ihrem Ruf gerecht. Regisseur Matthias Oldag gelingt es, 140 Jahre nach ihrer Uraufführung in Paris, frische, aktuelle Bezüge zu setzen. […] Die Zuschauer erleben einen großen Opernabend mit glänzend aufgelegten Akteuren bis in die kleinste Nebenrolle bestens besetzt. […] Wer bei dem Wort Oper bisher zurück schreckte, sollte einen Versuch wagen. ‚Carmen‘ könnte ihm gefallen.“

Bildergalerie

Film

CARMEN - Georges Bizet

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Meinungen

Die Aufführung der Oper war technisch sehr gut umgesetzt. Die Bühnenbilder waren detailreich, haben aber nicht zu sehr von der Handlung abgelenkt. Die Handlung war gut nachvollziehbar und eindrucksvoll umgesetzt. …