Ludwig Meinardus: Luther in Worms

Drei Städte, ein Oratorium: Fast auf den Tag genau 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag an der Tür der Wittenberger Schlosskirche verwirklichen die Singakademie Cottbus und Chöre aus zwei Städten mit reicher Musiktradition – Dresden und Eisenach – ein lange und sorgfältig vorbereitetes Projekt: Gemeinsam mit Solisten des Cottbuser Opernensembles, Gastsolisten und dem Philharmonischen Orchester führen sie „Luther in Worms“ auf. Ludwig Meinardus schrieb das Oratorium in den Jahren 1871/72.

Zunächst zeichnet er den Weg nach, den Luther von Wittenberg aus nahm, um beim Wormser Reichstag vor Karl V. Stellung zu seinen Thesen zu nehmen. Alle Register zieht der Komponist, um den Hörern die heftigen, teils tumultartigen Auseinandersetzungen während der Anhörung Luthers zu vergegenwärtigen. Auf dem Höhepunkt der Feindseligkeiten – die Gegner fordern vehement die Verbrennung des „Ketzers“, Luthers Anhänger bejubeln die Standhaftigkeit ihres Idols – weist Meinardus mit einem verblüffenden Einfall auf die Tatsache hin, dass die Reformation sich seit Jahrhunderten gegenüber der katholischen Kirche behauptet: Es erklingt die von Luther stammende Melodie des Weihnachtsliedes „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Doch verkündet wird hier nicht die Geburt des Heilands, sondern das Ende der römischen Irrlehre.

Meinardus‘ Musiksprache ist geschult an Bach, Händel und Mendelssohn. Sie zeigt sich aber offen gegenüber zeitgenössischen Neuerungen. Diese wurden vielleicht vermittelt von Franz Liszt, der den Komponisten schätzte und förderte, wie es zuvor Robert Schumann getan hatte. Liszt nahm regen Anteil an der Entstehung des Oratoriums. Ihm ist zu verdanken, dass es im Juni 1874 in Weimar mit großem Erfolg uraufgeführt werden konnte.

LUDWIG MEINARDUS (1827-1896)
Luther in Worms – Oratorium für Soli, Chor und Orchester op. 36

Annekathrin Laabs, Teresa Suschke, Dirk Kleinke, Benjamin Glaubitz,
Andreas Jäpel, Ulrich Schneider und Ingo Witzke
Sinfonischer Chor der Singakademie Dresden e.V.
Sinfonischer Chor der Singakademie Cottbus e.V.
Bachchor Eisenach
Philharmonisches Orchester
Dirigent: Christian Möbius

Samstag, 28. Oktober 2017 | Großes Haus
In gleicher Besetzung erklingt „Luther in Worms” am 29.10.2017 in der Dresdener Kreuzkirche (Dirigent Ekkehard Klemm)
und am 31.10.2017 in der Georgenkirche Eisenach (Dirigent Evan Alexis Christ).

BUCHTIPP
Dieter Norden: „Ludwig Meinardus, 1827-1896, Komponist, Schriftsteller und Chorleiter", Bielefeld 2016
Das Buch enthält Lebensstationen, Meinardus' Begegnungen mit Franz Liszt und ein Kapitel „Luther in Worms" und
ist für 16,80 € zzgl. 3,00 € Versand bei Herrn Nolden direkt (nolden.dieter3@arcor.de) oder über Amazon zu beziehen.

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