1. Philharmonisches Konzert

ANTON BRUCKNER (1824-1896)

Sinfonie Nr. 8 c-Moll (2. Fassung 1890)

Anton Bruckner galt seinen Zeitgenossen als ungebildet, unbedarft, naiv, hilflos und einfältig, linkisch im Benehmen, unterwürfig und ehrgeizig zugleich. Reste dieser vor allem von seinen Gegnern propagierten Sicht halten sich bis heute. Und tatsächlich muten etwa seine zahlreichen Heiratsanträge in Briefform, die allesamt nicht erhört wurden, durchaus seltsam an. Dass viele seiner Sinfonien in mehreren Fassungen vorliegen, schreibt man seiner mangelnden Urteilsfähigkeit im Hinblick auf das eigene Schaffen zu. Allzu bereitwillig sei er auf Einwände von Freunden und Kritikern eingegangen. Wer so urteilt, übersieht jedoch, dass Bruckners Schaffen – modern gesprochen – Züge eines „work in progress“ trägt. Dabei hatte der Komponist sicherlich ein grundlegendes Problem mit Autoritäten. So ließ er sich noch als fast Vierzigjähriger von seinem Kompositionslehrer ausdrücklich den „Freispruch“ be­scheinigen, also das Erreichen des Lernziels.

Bei alledem darf jedoch nicht aus dem Blick geraten, dass Bruckner wirtschaftlich und künstlerisch sehr erfolgreich war. Angesichts dessen setzt sich mittlerweile die Einschätzung durch, er habe ein bestimmtes Bild von sich in der Öffentlichkeit bewusst kultiviert: Das Bild eines Mannes vom Lande, der in seinem ganzen Gebaren und mit seiner kindhaft-einfältigen bis zwanghaften Religiosität dem großstädtischen Leben Wiens als seltsam Fremder gegenüberstand. Als solcher schien er aus einer anderen Zeit in seine Gegenwart hineinzuragen und in Verbindung mit Sphären zu stehen, die Normalsterblichen verschlossen blieben. In seinen Sinfonien schlägt sich mustergültig die Auffassung von Musik als Kunstreligion nieder. Sie sind monumental, und das Monumentale gehört in den Bereich des Übersinnlichen, der Religion, galt als erlebbar im Werk Gottes und in der Erfahrung seiner Nähe.

Bruckner nutzte viele Mittel, um Monumentalität zu realisieren. Sie zeigt sich zunächst in den langsamen Tempi und in der zeitlichen Ausdehnung des einzelnen Werks, die Achte etwa dauert rund 85 Minuten. Ferner in der Aufwertung der Blechbläser, der Vorliebe für lang gezogene Streicherklänge und der Betonung der tiefen Lagen. Mit Mitteln wie diesen schuf Bruckner eine eigene faszinierende Welt, die dazu einlädt, in sie einzutauchen.

„Nach Bruckners siebter und neunter Sinfonie traue ich mich nunmehr, auch die achte mit ihrem unfassbar dunklen deutschen Orchesterklang aufzuführen. Ich finde, in ihrer Fülle passt sie zu Cottbus."
Evan Christ


Philharmonisches Orchester
Dirigent: GMD Evan Christ

Freitag, 16. September 2016 & Sonntag, 18. September 2016

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