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Menschenskinder

Meisterchoreografien von Birgit Scherzer und Nils Christe (DE)
zu Musik von Keith Jarrett, Arvo Pärt, Portishead und Toni Gatlif

ANYWHEREME Birgit Scherzer
KEITH Birgit Scherzer
CANTUS (DE) Nils Christe

Nach wie vor sind Rekonstruktionen choreografischer Meisterwerke, die herausragende Choreografen für internationale Spitzen-Tanzensembles schufen, eine besondere Herausforderung für jede Ballett-Compagnie. Das Ballett des Staatstheaters Cottbus, verstärkt durch erstklassige Gäste aus der internationalen Tanzszene, stellt sich der bereits zum zweiten Mal: Nach IM FLUSS DER ZEIT im Frühjahr 2016 folgt im Herbst 2017 MENSCHENSKINDER, ein dreiteiliger Ballettabend.

2016 rekonstruierte die Cottbuser Compagnie Meisterchoreografien des Deutschen Uwe Scholz und des Niederländers Nils Christe. Die Resonanz in der Fachwelt und der Zuspruch des Publikums waren überwältigend. Eine Arbeit von Nils Christe steht auch 2017 wieder auf dem Programm, eine deutsche Erstaufführung: CANTUS, ein Ballett, das Christe 2015 für „Introdans“ schuf, eine der wichtigsten niederländischen Tanzcompagnien. Ihr zugrunde liegt Musik des estnischen Komponisten Arvo Pärt, darunter die namensgebende Komposition „Cantus“, geschrieben als Hommage an den 1976 verstorbenen Benjamin Britten. Christe ist als Choreograf in Europa und Übersee seit Jahrzehnten außerordentlich gefragt; seine Werke werden von mehr als siebzig Kompanien in aller Welt getanzt, darunter dem Dutch National Ballet, Introdans, Ballet de l'Opéra National de Paris oder dem Ballett der Wiener Staatsoper.

Vor Christes CANTUS zeigen die Cottbuser Tänzerinnen und Tänzer zwei Arbeiten von Birgit Scherzer: das Tanzstück KEITH, das 1988 an der Komischen Oper Berlin uraufgeführt wurde und ausschließlich von Männern getanzt wird, und ANYWHEREME, eine Neueinstudierung ihres Balletts „Frauen“ von 1991.

Die Palucca-Schülerin Birgit Scherzer galt in den 80er Jahren an der Komischen Oper Berlin als das choreografische Talent schlechthin. Es war die Zeit, in der das dortige Ballett unter Leitung von Tom Schilling einen völlig neuen, kraftvollen, energetischen – einen „urbanen“ Tanzstil entwickelte. Choreografen wie Birgit Scherzer nahmen sich eine bis dato unbekannte Freiheit bei der Auswahl der Musik und öffneten damit die Tür zu einer ungeahnten Vielfalt der tänzerischen Darstellung. Aufbauend auf der klassischen Schule schuf Birgit Scherzer freie, assoziative Bild- und Bewegungserzählungen, die oft ein verblüffendes Ende finden. So auch in ANYWHEREME, in dem die sphärischen Klänge der Band Portishead auf Musik des Filmregisseurs und Komponisten Toni Gatlif treffen, und in KEITH, dessen Titel auf den Jazzpianisten Keith Jarrett verweist. Dessen „Köln Concert“ zählt zu den großen Legenden der Jazzgeschichte. Im Januar 1975, ohne Ruhetag auf einer Tournee nach Köln gehetzt und widerstrebend auf einem lädierten Flügel spielend, gab Jarrett „sich dem Fluss der Töne hin, so hemmungslos und frei wie davor und danach nie wieder“, wie das Musikmagazin „Rolling Stone“ zum 40. Jahrestag des Konzerts schrieb. Diese frei assoziierende Spielweise Keith Jarretts schafft den perfekten Klangraum für die außergewöhnliche Choreografie Scherzers.

PREMIERE Samstag, 16. September 2017 | Großes Haus

Präsentiert von


Besetzung

Choreografie Anywhereme & KeithBirgit Scherzer
Choreografie CantusNils Christe
Bühne & Kostüme Anywhereme
& Keith
Birgit Scherzer
Bühne CantusThomas Rupert
Kostüme CantusAnnegien Sneep
Einstudierung CantusAnnegien Sneep
Musik AnywheremePortishead, Toni Gatlif
Musik KeithKeith Jarrett
Musik CantusArvo Pärt
Choreografische AssistenzDenise Ruddock, Dirk Neumann, Jason Sabrou
DramaturgieBernhard Lenort
 
TänzerinLindy Bremer, Inmaculada Marín López, Andrea Masotti, Gemma Pearce, Denise Ruddock, Venira Welijan
 
TänzerJuan Bockamp, Mikaël Champs, Jhonatan Arias Gomez, René Klötzer, Stefan Kulhawec, Andrea Simeone, Alexander Teutscher

Rezensionen

Oliver Kranz, rbb kulturradio, 18.9.2017

„Das Theater hat seit einem Jahr das Konzept, Meisterchoreografien zu zeigen – das können ältere Werke sein oder relativ neue, wie „Cantus" von Nils Christe, das vor zwei Jahren in Holland herauskam. Da war die Premiere in Cottbus sogar die deutsche Erstaufführung. Entscheidend ist, dass es sich um charakteristische Handschriften des modernen Tanzes handelt. […]

„Keith": Reich an Ausdruck und Energie
Hohe Sprünge, perfekt gestreckte Beine, Geschwindigkeit. Sieben junge Männer, die ihre Lebensfreude zeigen – mal einzeln, mal in verschiedenen Gruppenkonstellationen. Das ist so reich an Ausdruck und Energie, dass Birgit Scherzer bis heute immer wieder gefragt wird, das Stück irgendwo neu einzustudieren. Dabei ist es ihr wichtig, dass das Alte nicht einfach kopiert wird. Die Stücke werden mit neuen Tänzern, die ja alle verschiedene Talente haben, neu erfunden. Dadurch wirkt die Aufführung in Cottbus sehr frisch – nicht wie ein abgehangener Klassiker. […]

„Anywhereme": Miniaturen menschlicher Beziehungen
Da geht es um Paare – um Männer und Frauen, die umeinander werben, miteinander streiten, sich versöhnen und sich gegenseitig umschlingen – lauter Miniaturen menschlicher Beziehungen, oft sehr schnell getanzt zur brüchigen Musik der Band Portishead. Die Stimmung schwankt. Liebe, Hass und routinierte Anmachrituale stürzen durcheinander. Aber auch das wirkt zeitgemäß, obwohl die Arbeit auf einer Choreografie aus dem Jahr 1991 beruht. […]

„Cantus": Inszenierte Musik & starke Bilder
Mit „Cantus" von Nils Christe, das 2015 uraufgeführt wurde, haben Birgit Scherzers Stücke auf den ersten Blick wenig gemein. Der holländische Choreograf möchte keine Beziehungskisten beschreiben, sondern setzt ganz auf Abstraktion. Bei ihm haben jeweils alle Männer und alle Frauen die gleichen Kostüme an und tanzen in großen Gruppen. Synchronität ist wichtig. Wenn sich Einzelne aus der Gruppe lösen, dann geht es nicht um Einzelschicksale, sondern eher um Energie, um Kontraste von langsam und schnell, zarten und abrupten Bewegungen. […]

Dass man trotzdem das Gefühl hat, dass seine Choreografie mit den viel älteren Stücken von Birgit Scherzer zusammengehört, hat damit zu tun, dass er zum Teil aus dem gleichen Bewegungsmaterial schöpft. Da gibt es den Spitzentanz und die Pirouetten des klassischen Balletts, die aber mit freien Bewegungen verschmolzen werden – sehr schnell, sehr athletisch und elegant, aber eben nie beliebig. Da ist kein Raum für Improvisation. Alles ist genau festgelegt. Das Cottbuser Ensemble bewältigt diese oft extrem komplexe Choreografie mit Bravour. Am Ende hat es die Zuschauer förmlich von den Sitzen gerissen. Es gab sehr viel Applaus und das zu Recht.


Volkmar Draeger, Lausitzer Rundschau, 18.9.2017

„Wieder hat sich Nils Christe […] als Garant für meisterlichen Tanz bestätigt. Ihm hat Ballettchef Dirk Neumann zwei Stücke von Birgit Scherzer an die Seite gestellt. […]

„Anywhereme“ von Birgit Scherzer fächert mit ironischem Unterton in einer Folge von Duetten Spielarten der Liebe auf. Da ist Stefan Kulhawec als wütend verlassender Mann, der mit Inmaculada Marín López sein Traumerlebnis hat. Bei Avemarg und Preiß dominiert hingegen der Mann die Beziehung. […]

Stärker in der Aussage und choreografischen Umsetzung ist „Keith“. […] In einer hochsensiblen Miniatur bewegt mit Mut zu großem Gefühl Jhonatan Arias Gomez. Vertrauend springt er seinen großen Freund an, lässt sich von ihm abtragen. Zwei Jungen entdecken kurzzeitig tiefere Verbundenheit, die sich in der Gruppe auflöst. Wie René Klötzer apportierend den Kraftmeier gibt, sich lässig durchs Haar streicht, gar den Saal anmacht, ist die andere Seite erwachenden Mannestums. Wie allein sich Stefan Kulhawec im Ringen mit unausgesprochenen Wünschen fühlt, berührt ebenso, wie es amüsiert, wenn sich zu Jarretts entfesselter Improvisation noch einmal der Testosteronüberschwang in fulminanter Artistik entlädt – bis ein vorüberziehendes Weib den Jungmännerspuk zum Einsturz bringt. Entstanden ist ein temporeiches Psychogramm von mitreißender Plastizität und dankbaren Aufgaben für eine überbordend tanzlaunige Crew.

Ebenso mitreißend präsentiert sie sich in Christes Gruppenstück „Cantus“. […] In der elegischen Stimmung schälen sich aus der Gruppe immer neu Tänzer für Soli, Duos oder Trios, von der Gruppe argwöhnisch beobachtet und bald wieder von ihr geschluckt. In der Arena ereignen sich atmosphärische Begegnungen, emotional subtil, tänzerisch dicht, technisch höchst anspruchsvoll. […] Ein Traum endet – und Cottbus punktet mit einer deutschen Erstaufführung von Rang.“

Link zur vollständigen Rezension


Boris Gruhl, www.tanznetz.de, 11.10.2017

„Anywhereme“ zur Musik von Portishead und Toni Gatlif von Birgit Scherzer eröffnet den Abend. […] Der Tanz[…], mit den Assoziationen der Signale wortloser Körpersprache erweist sich als genau jene Kunst, immer wieder in den aufblitzenden Momenten dieser kurzen Szenen, Alltagserfahrungen in Momente der Kunst zu überführen […]. „Keith“ heißt der zweite Teil des Abends, ebenfalls von Birgit Scherzer […]. Jetzt gehört die Bühne den Männern, […] irre Sprungvarianten und Drehungen, und dann im jähen Wechsel, wie im raffinierten Filmschnitt, nachdenkliche Adagiomomente. […] Nils Christe nimmt in seiner Kreation [Cantus, d. Red.] den spirituellen und meditativen Charakter der Komposition von Arvo Pärt […] auf. Christe findet starke Bilder für die Momente des Werdens und des Vergehens, für Aufbruch und Abschied, für die Kraft des Dialogs zwischen Leben und Tod.“

Link zur vollständigen Rezension

Bildergalerie

Film

MENSCHENSKINDER - Staatstheater Cottbus (Trailer)

Unterstützt durch

Meinungen

An alle Tänzerinnen und Tänzer, die am 12. September getanzt haben! Ich möchte mich bei Ihnen und den Choreografen für den wundervollen Ballettabend ganz herzlich bedanken. Die Ausdruckskraft, die Intensität, …