EINE KULTURSTIFTUNG IN BRANDENBURG

Die Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus, die im Juli 2004 gegründet wurde, vereint ein Theater und ein Museum für moderne Kunst. Aufgabe der Stiftung öffentlichen Rechts ist es, durch den Betrieb des Staatstheaters Cottbus und des Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus Kunst und Kultur im Land Brandenburg zu fördern. Zuwendungsgeber der Stiftung sind das Land Brandenburg und die Stadt Cottbus.

DAS STAATSTHEATER COTTBUS

In einer Zeit, da politische und gesellschaftliche Herausforderungen neue Fragen produzieren, versteht sich das Staatstheater als ein Modell-Ort kultureller Vorgänge, an dem gesellschaftliche Prozesse ausgehandelt und mit neuen theatralischen Erzählweisen Zusammenhänge entdeckt werden zwischen Stücken, Interpretationen und dem Leben in unserem Land. In dieser Funktion ist das Theater ein gesellschaftliches Zentrum der Stadt und besitzt zugleich eine starke Identität in der Region und im Land Brandenburg.

Das heutige Große Haus des Staatstheaters, der sezessionistische Jugendstilbau am Schillerplatz, wurde vom Berliner Architekten Bernhard Sehring entworfen. Das einzigartige architektonische Meisterwerk, das am 1. Oktober 1908 eröffnet wurde, zeichnet sich als gelungene Synthese aus Technik, Kunsthandwerk, Plastik und Malerei aus. Seine Existenz verdankt es den Bürgern der Stadt, die den Theaterbau aus dem Wunsch heraus, einen Kristallisationspunkt des geistigen Lebens in der Lausitz zu schaffen, finanzierten. 1992 wurde das bisherige Theater der Stadt Cottbus zum Staatstheater ernannt. Am 1. Oktober 2008 feierte das Große Haus am Schillerplatz mit einem Festakt im Beisein des Bundespräsidenten seinen 100. Geburtstag. Als einziges Theater im Land Brandenburg verfügt das Haus über die Sparten Schauspiel, Oper/Ballett und Philharmonisches Orchester.

Mit Beginn der Spielzeit 2003/04 übernahm der langjährige Operndirektor Martin Schüler das Amt des Intendanten. Unter seiner Leitung hat sich das Staatstheater der Idee verschrieben, die Qualitäten aller Sparten des Hauses zusammenzuführen und als Mehrspartenprojekte mit Oper, Schauspiel und Philharmonischem Orchester zur Aufführung zu bringen. So entstanden Inszenierungen wie EIN SOMMERNACHTSTRAUM (Shakespeare/Mendelssohn Bartholdy), PEER GYNT (Ibsen/Grieg), DER STURM (Shakespeare/Sibelius), DER ZAUBERER VON OSS (Gabrielson, Arlen, Harburg) und FÜRST PÜCKLERS UTOPIA (Klimke/Reynolds/Kresnik). Einen überregionalen Ruf erwarb sich das Opernensemble unter anderem mit semiszenischen Inszenierungen wie Jacques Offenbachs DIE RHEINNIXEN oder Verdis DER TROUBADOUR. In dieser besonderen Aufführungspraxis wurde es außerdem möglich, mit DAS RHEINGOLD und DIE WALKÜRE die Arbeit an einem Cottbuser RING DES NIBELUNGEN in Angriff zu nehmen.

Das Schauspiel geht seit der Jubiläumsspielzeit 2008/2009 unter der Leitung von Schauspieldirektor Mario Holetzeck neue Wege und stellt sich großen politischen Fragen mit poetischen Entwürfen und kraftvollen Erzählweisen. Inszenierungen wie LEHRER SOLLTEN NACKT NICHT TANZEN, ein Stück für und mit Jugendlichen, die Romanadaption DER SCHIMMELREITER oder WIE IM HIMMEL nach dem Film von Kay Pollak wurden überregional wahrgenommen. Unter dem Titel „Die jungen Wilden. Klassiker auf den Kopf gehauen" sind in der Kammerbühne faszinierende und kontrovers diskutierte Inszenierungen entstanden. In der sehr erfolgreichen Reihe „Spielwut" stehen die Schauspieler mit ihrer Spielfreude und ihren Talenten im Mittelpunkt.

Das Philharmonische Orchester des Staatstheaters unter Leitung seines Generalmusikdirektors Evan Christ findet mit seinen Konzerten dank einer originellen Verknüpfung von Bekanntem und Unbekanntem und der stetigen Einladung zu Begegnungen mit Neuer Musik große Resonanz beim Cottbuser Konzertpublikum. Das weltweit einzigartige Projekt „Acht Uraufführungen in acht Konzerten“ ist in sein zweites Jahr gestartet. Besonderes Augenmerk gilt dem Schaffen Gustav Mahlers, dessen gesamtes sinfonisches Werk über einen Zeitraum von mehreren Jahren aufgeführt wird. Eine Cottbuser Spezialität sind die beliebten Familienkonzerte mit rbb-Moderator Christian Schruff, die Kinder, Jugendliche und zunehmend auch Erwachsene etwas darüber erfahren lassen, wie musikalische Strukturen entstehen.

DAS KUNSTMUSEUM DIESELKRAFTWERK COTTBUS 

Das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus befindet sich im Zentrum der Stadt und dennoch inmitten der städtischen Grünzone Goethepark auf der grünen Mühleninsel der Spree. In beinahe vierjähriger Planungs- und Bauzeit wurde das ehemalige Dieselkraftwerk umgebaut zu einem nach internationalen Standards ausgelegten Museum. Das Architektenteam Anderhalten Architekten ging behutsam mit der vorgefundenen Substanz um und setzte ihr zugleich durch eine bewusste Wahl zeitgenössischer Materialien eine neue Formensprache entgegen. Im Mai 2008 wurde das Dieselkraftwerk seiner neuen Bestimmung übergeben.

Das Kunstmuseum erlebte seit 1977 eine kontinuierliche Aufwertung von einer Abteilung des einstigen Bezirksmuseums über die „Staatlichen Kunstsammlungen Cottbus" (1984) zur Überführung in ein Landesmuseum, die „Brandenburgischen Kunstsammlungen Cottbus“ (1991). 2004 wurde das Museum Teil der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus. Mit Blick auf das neue Domizil im ehemaligen Dieselkraftwerk Cottbus ergab sich der Namenswechsel zum Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus. Während in den 1970er und frühen 1980er Jahren zunächst regionale Gesichtspunkte die Ausstellungs- und Ankaufspolitik bestimmt hatten, erweiterte sich der Blick später auf traditionelle Kunstlinien des 20. Jahrhunderts. Es entstand eine relativ unabhängige Sammlung mit Ausdrucksformen der zweiten Generation des Expressionismus, der Neuen Sachlichkeit sowie auch abstrakter Positionen. Die 1980er Jahre lenkten den Blick stärker auf das Zeitgenössische und auf neue experimentelle Felder. So ist eine große Anzahl von Werken des neoexpressiven Aufbruchs in der DDR ins Haus gelangt. Die Orientierung allein auf den ostdeutschen Raum war nach 1989 obsolet geworden. Mit dem Anspruch eines Museums in Landesverantwortung wuchsen auch die Aufgaben und Orientierungsräume. So steht das Kunstmuseum Dieselkraftwerk heute einerseits für die Kunst im Land Brandenburg. Andererseits ist der Blick über die Grenzen des Landes hinaus geöffnet, im Austausch mit dem Kunstgeschehen in anderen Bundesländern und in Europa. 

Die Ausstellungen und Erwerbungen konzentrieren sich auf den Themenkreis von ‚Landschaft/Raum/Natur/Umwelt‘. Die landschaftlichen Merkmale sind in Brandenburg in Natur und Kultur vielfältig genug: von der Mark über das Landschaftsbild, insbesondere auch des gebürtigen Cottbusers Carl Blechen, über die Gärten Hermann Fürst von Pückler-Muskaus und Peter Joseph Lennés bis hin zu den Hinterlassenschaften des Braunkohleabbaus und des städtischen Rückbaus. Diese besondere Lage im Blick, ergriff das Museum die Chance, sich mit dem Ort seines Wirkens und dem Thema Raum und Landschaft auf besondere Weise zu verknüpfen. Es ergab sich daraus der Schwerpunkt, hier und anderenorts künstlerische Sichten auf Landschaft, urbane Räume und soziale Problemfelder mit unterschiedlichen Positionen quer durch alle Gattungen der bildenden Kunst zur Anschauung zu bringen.

Das Museum beherbergt insgesamt mehr als 24000 Kunstwerke, darunter über 580 Gemälde, 120 Skulpturen, 4000 grafische Blätter und Objekte, 3200 Prints und Fotoarbeiten sowie 15200 Plakate. Dies sind auch die fünf Kunstsparten des Hauses: die klassischen Sammlungsgebiete Malerei, Skulptur, Graphik sowie bereits seit 1979 Fotografie (und jetzt auch Video) sowie das künstlerische Plakat. Malerei und Fotografie unterliegen in den Präsentationen der Sammlung keiner Trennung, sondern stehen gleichrangig nebeneinander.

Synergien zwischen Kunst und Theater

Staatstheater und Kunstmuseum Dieselkraftwerk sind zwei kulturelle Kraftorte in der Stadt. Sie teilen einen Kunstraum miteinander, in dem sie Menschen einladen, neue Perspektiven einzunehmen, den Blick auf das Leben zu erweitern und Entdeckungen zu machen. Beide, das Staatstheater wie das Kunstmuseum, sind Teil der Kulturen des Performativen in unserer Welt. Sie stellen etwas dar, sie setzen visuelle, klangliche, dramatische Zeichen in die Welt, die auf Wirkung ausgerichtet sind und mit denen sie emotionale und geistige Bewegungen auslösen wollen. Dadurch eröffnen sich Potentiale. Staatstheater und Kunstmuseum feiern gemeinsame Feste und nehmen vielfältige Kooperationen in Angriff. Künstler des Staatstheaters stellen beim Theaterbrunch im Kunstmuseum neue Vorhaben vor. Der Chor und das Philharmonische Orchester gestalten Konzerte in den Museumsräumen und wirken an Ausstellungseröffnungen mit.

Unterstützt durch