P. H. schrieb:
verfasst am Mittwoch, den 24.05.2017 um 21:43 Uhr
 

Schon immer haben mich Genie und Talent der beiden Dreißigjährigen Brecht und Weill ob ihrer drei Meisterstücke "Dreigroschenoper", " Sieben Todsünden" und "Mahagonny" des frühen zwanzigsten Jahrhunderts fasziniert. Aber bis heute gilt "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung" (Ulrike Herrmann, taz). Und so springen folgerichtig die Mahagonny-Songs zwischen Prunk, Plage und Persiflage hin und her. Das Orchester spielt rasch und kräftig "Christ, mach die Musik von damals nach." Über allem thront Carola Fischer, die Grand Dame der Cottbuser Operntruppe als Leokadja Begbick. Die Vorstellung am 23. März war leider halbleer, aber so konnte ich die Songs ungeniert ohne die Nachbarn zu belästigen mit summen. Eine werkpassende Inszenierung verlangt (sinngemäß nach Joachim Kaiser) ein höheres Können als die narzisstischen Auslassungen der sogenannten Starregisseure. In Cottbus bekommen Sie "für einen Dollar Krach und Wonne, Krach und Wonne und was die Welt ihr eigen nennt."- einfach herrlich.

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Detlef Kurth schrieb:
verfasst am Freitag, den 24.03.2017 um 22:42 Uhr
 

Vielen Dank an das Staatstheater Cottbus für eine - wieder einmal - gelungene Operninszenierung! Die Reise aus Berlin lohnt sich immer!! Dieses Werk ist im Grunde genommen brandaktuell und so wurde es auch auf die Bühne gebracht. Im Grunde sind das doch die immer wiederkehrenden Themen - fressen, saufen, Liebesakt und Sport - woran sich die Gesellschaft abarbeitet. Das alles wurde sehr unterhaltsam auf die Bühne gebracht in einem tollen Bühnenbild und mit jede Menge Typen auf der Bühne. Ich hoffe, ich schaffe es nochmal zu einer Aufführung von Mahagonny. Danke nochmal!! Beste Grüße aus Berlin

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klaus schrieb:
verfasst am Freitag, den 17.03.2017 um 00:20 Uhr
 

Einfach stark, intelligent, schnörkellos einen Klassiker auf die Bühne gebracht. Der hohe Unterhaltungswert geht mit Aufklärung einher: Fressen, Sex, Saufen und Sport sollen genügen für ein "glückliches" Leben, so das Klischee, das den Praxistest nicht einmal in der Luststadt Mahagonny besteht.
Alt und jung sind begeistert - warum nur sind so wenige junge Leute in der Vorstellung? Ein Argument: Der Preis einer Karte ist trotz Ermäßigung ein Auschlusskriterium. Abhilfevorschlag: Warum sollten Sponsoren immer nur "Sachwerte" finanzieren, warum nicht mal einen Fond finanzieren für Theaterkarten für Jugendliche? Mahagonny lehrt ja auch: Ohne Geld wird es irgendwann auch kein Theater mehr geben. Und der Altersdurchschnitt des Publikums ist alarmierend. Selbst Jugendliche, die Theater erleben, sagen: Es ist doch etwas anderes als Film und Fernsehen - einfach schön! - , aber mein bisschen Stipendium reicht dafür nicht. Lassen wir uns etwas einfallen! Die Zukunft ist näher als man denkt. Regisseur Oldag und Dirigent E. Christ haben eine stimmige Aufführung auf hohem Niveau produziert, die Kenner wie Laien anspricht. Leute, geht einfach hin.

Eine Anmerkung des Theater zum Beitrag von Klaus:
Vielen Dank für Ihr Worte. Schön, dass Sie sich in unserer jüngsten Operninszenierung gut aufgehoben gefühlt haben. Ihre Beobachtung über die Anzahl junger Leute an diesem Abend ist richtig, auch wenn im 2. Rang gleich 40 Schüler aus einer Cottbuser Schule mit Ihnen MAHAGONNY gesehen haben. Wir arbeiten daran, Jugendliche stärker für Oper, Musical und Operette zu interessieren: In der MAHAGONNY-Premiere am 11.3. z.B. waren 70 Schüler aus zwei "Premierenklassen", die den Entstehungsprozess der Inszenierung begleitet haben. Sie besuchten die Premiere zu Jugendwahlanrechts-Preisen von 6 bis 8 €. Diese Preise gelten für alle Schülergruppen und für alle Studierenden unserer Universität. Mit dem Jugendanrecht VIER GEWINNT! kommt der einzelne Jugendliche zu 7 € ins Theater (und kann, da das Anrecht aus 4 Gutscheinen besteht, noch drei Freunde mitnehmen). Ich denke deshalb: Der Preis ist die eine Sache. Die andere sind gute Inszenierungen und eine intensive theaterpädagogische Arbeit. Wie gesagt: Daran arbeiten wir. Das Schauspiel mit Live-Musik SONNENALLEE heute Abend z.B. ist ausverkauft mit einem sehr, sehr hohen Anteil junger Zuschauer.
Bernd Seidel
Leiter PR/Marketing

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