Orchestergeschichte

Das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus blickt auf eine über hundertjährige Geschichte als Opern- und Konzertorchester zurück. Seit Oktober 1912 sind Aufführungen des theatereigenen Orchesters dokumentiert. Die Liste seiner Chefdirigenten während der ersten fünfzig Jahre seines Bestehens ist lang, ehe in der Spielzeit 1963/64 Frank Morgenstern die Position des Musikalischen Oberleiters übernimmt. Er hält diese Position bis zum Ende des Jahres 1994, nachdem er bereits seit 1957 als 1. Opernkapellmeister am Cottbuser Theater tätig war. Seine Leistungen in der Arbeit mit dem Orchester finden ihre Würdigung unter anderem in der Verleihung des Titels „Generalmusikdirektor“ und als besonderer Auszeichnung in der Höherstufung des Orchesters zum „Philharmonischen Orchester“ im Jahr 1988. Sein Nachfolger GMD Reinhard Petersen entwickelte Repertoire und Klangkultur des Orchesters weiter. 

Im September 2008 wurde GMD Evan Christ Chefdirigent und setzt seitdem kräftige Akzente. Er führte die Klangkultur im weiten Bereich von Älterer Musik bis zur zeitgenössischen auf ein konstant hohes Niveau, wie Kritiker und Publikum immer wieder bestätigen. Gemeinsam mit der Singakademie Cottbus e.V. führt das Philharmonische Orchester große chorsinfonische Werke auf, sowohl im Großen Haus des Staatstheaters, dem angestammten Konzertort, wie in Kirchen. Historische Aufführungspraxis pflegen die Musiker im Rahmen des Bach Consort Cottbus unter der Leitung von Christian Möbius; ihre solistischen Qualitäten stellen sie in zahlreichen Kammerkonzerten unter Beweis. 

Im Zentrum stehen die Philharmonischen Konzerte, in denen neben zentralen Werken des Repertoires Musik des 20. und 21. Jahrhunderts breiten Raum einnimmt. Als Solisten gastieren herausragende Interpreten wie Sabine Meyer, Tzimon Barto, Viviane Hagner und das Arditti Quartet. Die Zusammenarbeit mit composers- und ensembles-in-residence – bislang das Pariser Ensemble „court-circuit“ und das Berliner „ensemble mosaik“ –  setzt wichtige Akzente im Brandenburger Konzertleben. Das Projekt „Acht Uraufführungen in acht Konzerten“ hat überregional große Beachtung gefunden. Hierfür gibt das Orchester bei bekannten und weniger bekannten Komponisten eigens Werke unter zehn Minuten Länge in Auftrag. In diesem Rahmen waren Kompositionen von Valerio Sannicandro, Nina Šenk und Salvatore Sciarrino zu hören. 2013 startete das „Cottbus SoundLab“ mit Atli Ingólfsson und Luís Antunes Pena. In dieser auf lange Sicht angelegten Experimentierwerkstatt suchen Komponisten mit dem Orchester und seinem Leiter nach einem ganz eigenen, dem „Cottbuser Klang“, der sich in Auftragswerken niederschlägt. 

Im Frühjahr 2014 erklangen neben weiteren Werken der Uraufführungsreihe erstmals öffentlich das Bassposaunenkonzert von Jörg Duda und die Blues Symphony des künstlerisch und biographisch höchst faszinierenden, praktisch unbekannten  Gordon Sherwood, der 2013 verstarb.

Im März 2011 erhielt das Orchester die Auszeichnung „Bestes Konzertprogramm“ des Deutschen Musikverleger-Verbandes e.V. (DMV) für die Saison 2010/2011. Gewürdigt wurde damit das mutige und konsequente Programmkonzept, das der Gegenwartsmusik einen Stellenwert einräumt, wie er in diesem Umfang bei keinem anderen deutschen Sinfonieorchester vertreten ist, und das große Engagement auf dem Gebiet der Musikvermittlung für Kinder und Jugendliche innerhalb der Aktion „Takt!Los. Die Musikpaten“. 

Die Freude an Musik und das musikalische Verständnis gerade auch bei Kindern und Jugendlichen zu fördern, liegt Evan Christ und dem Orchester am Herzen. Regelmäßiger Austausch und Zusammenarbeit mit Paten- und weiteren Schulen sowie großangelegte Sonderprojekte mit Schulen wie die Entstehung und Realisierung von Stephan Winklers „Das Lied vom elektrischen Wind“ – ein Gemeinschaftsprojekt des Orchesters, der Cottbuser Carl-Blechen-Grundschule und der Akademie der Künste Berlin 2010/2011 – sind für sie ebenso selbstverständlich wie Schul- und Familienkonzerte oder Kammerkonzerte für Kleinstkinder (Konzerte für Minis) und Mitmachkonzerte für Kinder zwischen 3 und 5 Jahren (Konzerte für Muckis) und deren Eltern. Mit Flash Mobs, Freilichtkonzerten und weiteren Aktionen bringen Orchester und Dirigent ihre Musik zu den Menschen in der Stadt: auf Plätze, in Einkaufszentren und Geschäfte, in die Universität, in den von Fürst Pückler gestalteten Branitzer Park. So wollen sie Neugier wecken und Hemmschwellen abbauen. Filmmusik-Konzerte, teils unter freiem Himmel, erfreuen nicht nur das Stammpublikum, sondern auch Menschen, die nicht ohne weiteres den Weg in ein klassisches Konzert finden. Ebenso Crossover-Konzerte wie jene mit Alexander Knappe im restlos gefüllten, vor Begeisterung vibrierenden Theater. Als Mitschnitt daraus ist der Song „Frei“ auf Youtube veröffentlicht. 

Das Orchester gastiert regelmäßig an Brandenburger Theatern und an prominenter Stelle bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten. Weitere Gastspiele führen es nach Winterthur, Berlin und Paris sowie 2014 erstmals zum Festival MusicáMallorca. 

Bandbreite und Leistungsvermögen des Orchesters sind auf mehreren CD-Veröffentlichungen der letzten Jahre nachzuhören. So liegen alle Uraufführungen der Jahre 2009 bis 2012 in Neueinspielungen des Orchesters unter Leitung Evan Christs auf CD vor. Einen ganz anderen Aspekt der intensiven Beschäftigung des Orchesters mit Musik der letzten Jahrzehnte und der Gegenwart stellen die zahlreichen Filmmusikkonzerte dar. Auf CD veröffentlicht sind Filmmusikkompositionen von John Williams. 2013 spielte die Klarinettistin Friederike Roth von ihr wiederentdeckte und zugänglich gemachte Klarinettenkonzerte von Iwan Müller mit Evan Christ und dem Philharmonischen Orchester ein.

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